Kommentar von Dr. Gerhard Mersmann Die Geschichte zieht lange Linien. Zumindest dann, wenn es um die Interessen von Imperien geht und solange sie noch die Macht haben, diese durchzusetzen. Die jüngste Militärintervention der USA in Venezuela hatte das gleiche Motiv wie die Reaktion vor mehr als siebzig Jahren im Iran. Da hatte ein demokratisch gewählter Präsident namens Mossadegh es gewagt, die Ölkonzerne zu verstaatlichen. Da waren für einen Lufthauch die Amerikaner aus dem Geschäft. Was folgte, war die Absetzung Mossadeghs, er wurde angeklagt und man machte ihm den Prozess. Ein den Interessen des US-Imperialismus genehmer Schah wurde eingesetzt und er sorgte durch seine brutale und zynische Herrschaft dafür, dass ein Vierteljahrhundert später ein Gottesstaat errichtet wurde, der sich nicht weniger drastisch und volksverachtend gebärdete.
Eines ist seitdem immer zu sehen gewesen: Jede Intervention der USA zugunsten ihrer geostrategischen und Rohstoffinteressen führte nach der Absetzung und Tötung der früheren Präsidenten nie zu einer Verbesserung. Der Iran ging seitdem durch die Hölle, der Irak ist nach Husseins Hinrichtung ein Failed State, und nach der Ermordung Gaddafis erinnert nichts mehr an die zivilen Formen einer Staatlichkeit, die vordem für diese Weltregion vorbildlich war. Und wer jetzt davon schwadroniert, für Venezuela bräche das Zeitalter der Demokratie an, ist im Fach Geschichte nicht nur durchgefallen, sondern bekommt mit Sicherheit irgendwann den Prozess gemacht.
Wenn die Masken fallen, zeigt sich nicht nur, wie das Spiel tatsächlich gespielt wird, sondern auch, wer versucht, etwas von der Beute abzubekommen, wer selbst im hellen Licht der möglichen Erkenntnis nichts zu bergreifen in der Lage ist und wer sich den Namen eines Schurken redlich verdient.
Frau Kallas, der IQ-Downer der Europäischen Kommission per se, jubelte mit, als bekannt wurde, dass der venezolanische Präsident in Handschellen auf einem amerikanischen Kriegsschiff entführt wurde, ohne eine Ahnung davon zu bekommen, dass Ähnliches bald ganz in der Nähe passieren könnte, weil mit Grönland noch ein Territorium auf der Trumpschen Speisekarte steht, das bekanntlich immer noch als dänisches Hoheitsgebiet deklariert wird. Und unser schlaksiger Kanzler zeigte dem Verschleppten noch den verbalen Stinkefinger. Wenn es allerdings um derartige Gesten geht, ist er ein Großformat.
Wenn die Masken fallen, ist allerdings auch zu sehen, wer das Spiel bereits seit langer Zeit durchschaut hat. Und das sind erstaunlich viele. Und sie ergötzen sich derzeit an Vorstellungen, was nun wohl passieren würde, wenn ein ukrainischer Präsident von russischer Seite entführt und in Moskau vor Gericht gestellt würde. Ja, so schnell stehen moralistische Kreuzfahrer mit nacktem Hintern auf dem Feld und stammeln Unverständliches.
Der Coup der USA birgt großen Sprengstoff. Er ist auch ein Test, inwieweit sowohl China als auch Russland darauf reagieren werden. Wenn sie sich auf verbale Proteste beschränken, ehrt es sie, macht sie allerdings in den Augen des US-Imperiums zu Papiertigern. Eine Bezeichnung, die aus chinesischem Mund eigentlich für die USA gedacht war. Insofern leben wir in einer brandgefährlichen Phase, denn die Papiertiger Russland und China führten zur Bedeutungslosigkeit des BRICS-Bündnisses.
Bei allem Risiko, das mit der venezolanischen Karte verbunden ist, die der Pistolero aus Mar-a-Lago da auf den Tisch geworfen hat, aus seiner Sicht war das ein kluger Zug. Entweder fliegt die Bank allen um die Ohren, oder The Winner Takes It All!
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Die Militärintervention der USA im Venezuela unter dem Vorwand der Drogenbekämpfung vor der eigenen Haustüre ist ein Lehrstück amerikanischer Macht- und Geldpolitik. Und das beredte Schweigen unseres katholischen Bundeskanzlers bestätigt dieses, denn „das Verschleiern der Wahrheit ist katholisches Prinzip“, wie der Journalist Edo Reents von der Süddeutschen Zeitung das in anderem Zusammenhang ausgedrückt hat (der Aktenvernichtung im Kanzleramt nach der Ablösung Helmut Kohls). Und der vorsichtige Hinweis der einfältigen SPD auf Demokratie und Völkerrecht bestätigt deren Einfalt.