von Leo Ensel. In Zeiten wachsender Spannungen zwischen Ost und West wagt eine kleine Initiative einen großen Schritt: Der Verein „Musik für den Frieden“ hat auf der Petitionsplattform change.org ein „Plädoyer für ein deutsch-russisches Jugendwerk“ veröffentlicht. Ihr Ziel: ein Zeichen für Vertrauen statt Misstrauen, für Dialog statt Aufrüstung.
Die Initiatoren möchten Bürgerinnen und Bürger ermutigen, mit ihrer Unterschrift ein öffentliches Statement für Frieden abzugeben. Die Idee: Wer Vertrauen und Begegnung zwischen jungen Menschen fördert, legt die Saat für ein friedliches Miteinander in der Zukunft. Gerade die Jugend, die sich in Deutschland derzeit wieder mit Themen wie Wehrpflicht und Verteidigung auseinandersetzen muss, soll erleben, dass Kooperation über Grenzen hinweg möglich ist – und auch attraktiver ist als Konfrontation.
„Die Keime für Frieden müssen jetzt gesät werden“, heißt es im Aufruf. „Die Früchte dieses Friedensbaumes werden kommende Generationen ernten.“
Musik als Brücke
Dass dies keine bloße Utopie ist, zeigt die Initiative bereits im Kleinen. Seit sieben Jahren treffen sich deutsche und russische Jugendliche im Rahmen des Projekts „Musik für den Frieden – Музыка ради Мира“ zu gemeinsamen Konzerten, Musikfilmen und kulturellen Begegnungen. Ihr Ziel: Verständigung durch Kunst.
Das deutsch-russische Ensemble konnte schon 2019 mit einem gemeinsamen Programm in Twer, Moskau und später auch in Süddeutschland und der Schweiz begeistern. Während der Pandemie arbeiteten die Jugendlichen über Ländergrenzen hinweg digital an Musikfilmen. Trotz des Ukrainekriegs hielten sie an ihrem Austausch fest und fanden in der Türkei neutrale Begegnungsorte – unter anderem für ein musikalisches Projekt rund um Romeo und Julia.
Für dieses Engagement erhielten sie 2022 den Göttinger Friedenspreis in der Berliner Gedächtniskirche.
Ein Modell aus der Geschichte
Ihr großes Vorbild ist die deutsch-französische Aussöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg: Aus Feindschaft wurde durch Jahrzehnte gemeinsamer Jugendarbeit Freundschaft. Dasselbe, so hoffen die Initiatoren, könne auch mit Russland gelingen.
Gemeinsam träumen sie davon, dass eines Tages ein deutsch-russisches Jugendwerk ins Leben gerufen wird – ähnlich gefördert wie das deutsch-französische Vorbild. „Vielleicht wird es einmal möglich sein, einen winzigen Bruchteil der Milliarden für Rüstung in Bildung und Austausch zu investieren“, sagt Thomas Vogt, Sprecher der Initiative.
Vertrauen statt Aufrüstung
Die Petition appelliert daher an Politik und Gesellschaft, Zukunftsinvestitionen in Begegnung zu lenken: „Mit 0,01 Prozent des aktuellen Aufrüstungsbudgets“, so die Initiatoren, „könnte ein Jugendwerk entstehen, das dauerhaft Frieden gestaltet.“
Mehr Informationen und die Möglichkeit zur Unterzeichnung finden Interessierte unter www.musik-fuer-den-frieden.deund auf change.org – Plädoyer für ein deutsch-russisches Jugendwerk
Am Ende bleibt die einfache, aber kraftvolle Botschaft der jungen Musikerinnen und Musiker: Frieden ist möglich – wenn wir den Mut haben, ihn zu gestalten.

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Diesem „Friedensprojekt“ steht leider „der pathologische deutsche Militarismus“ entgegen, den schon Theodor Fontane aus dem Berlin von 1897 „als niedrigste Kulturform, die je dagewesen ist“, bezeichnet hat. Dieser pathologische Militarismus hat bereits zu zwei verlorenen Kriegen Deutschlands gegen Russland geführt, und das katholische Deutschland bereitet sich aus ideologischen Gründen auf einen dritten Krieg gegen Russland vor. Dazu kommt, das Deutschland seit dem Stellvertreterkrieg gegen Russland in der Ukraine russischen Musiker- und Sportler/innen aus niedrigen kulturlosen Gründen ein Einreisevisum versagt.