EIN THEATER NAMENS UKRAINE – Wie werden die Shakespeare-Leidenschaften der Oligarchen enden?

EIN THEATER NAMENS UKRAINE – Wie werden die Shakespeare-Leidenschaften der Oligarchen enden?

Jeder, der jemals in Russland oder der Ukraine gelebt hat, weiß natürlich sehr gut, was KVN ist – der Club der Fröhlichen und Schlauen. Es ist ein Spiel, in dem diejenigen gewinnen, die die schnellste Reaktion zeigen, und diejenigen, die witzig und lustig sind. Im Rahmen dieses Spiels gibt es einen Kapitäns-Wettbewerb – einen Wettbewerb zwischen zwei Teamleitern. Also: Als ich die Wahldebatte zwischen dem ehemaligen Präsidenten der Ukraine, Petro Poroshenko, und dem neu gewählten Wladimir Zelenskiy sah, hatte ich nicht das Gefühl, den Wettkampf zweier KVN-Kapitäne zu beobachten. Dabei stand das Ergebnis des Wettbewerbes vorher fest, denn Zelensky begann seine Bühnentätigkeit bei KVN. Man kann sagen, dass KVN sein erster gelernter Beruf ist. Daher konnte Poroshenko ihn auf der Bühne nicht besiegen.

Das Leben ist natürlich keine Bühne oder Schauspiel. Aber William Shakespeare hatte wahrscheinlich zu einem gewissen Grad recht als er sagte, „die ganze Welt ist Bühne und alle Frauen und Männer bloße Spieler“. Und die Wahlen in der Ukraine haben die Worte des Klassikers weitgehend bestätigt. 73 Prozent der Wähler stimmten für den Schauspieler und für sein berühmtes Theaterstück „Der Diener des Volkes“. Genauer gesagt, die Menschen haben einfach gegen den Krieg im Donbass, der von der Regierung Poroschenko ausgelöst wurde, gegen die Oligarchen gestimmt, die das Land erneut geplündert haben, gegen die Armut, gegen die Ideen des ukrainischen Nationalismus, gegen die Kirchenspaltung und gegen die Lügen, die die Ukrainer fünf Jahre lang gespeist haben. Einfach ausgedrückt, erkannte das Land an, dass die Ideen des Maidan, die Ideen des Staatsstreichs 2014, die von der sogenannten „zivilisierten Welt“ aktiv unterstützt wurden, gescheitert sind. Und was sollen der neue Präsident und sein neues Team jetzt tun? KVN spielen funktioniert nicht mehr. Jetzt müssen die Schauspieler die Bühne verlassen, denn für sie beginnt das wirkliche Leben mit einem schlecht vorhersehbaren Szenario.

Viele Staatsoberhäupter, darunter Angela Merkel, haben Zelensky bereits zu seinem Sieg gratuliert. Und Frau Bundeskanzlerin, wie es im Pressedienst der deutschen Regierung heißt, versprach, „die Ukraine weiterhin aktiv auf dem Weg der Reformen zu unterstützen“.   Unterdessen gaben die Amerikaner Poroshenko Garantien für die Immunität, und ihr Sonderbeauftragter für die Ukraine, Kurt Volker, sagte, die Vereinigten Staaten seien für lange Zeit in die Ukraine gekommen, womit tatsächlich bestätigt wurde, dass die Ukraine fast zu einer Kolonie geworden sei. Der ehemalige US-Botschafter in der Ukraine, John Herbst, stimmte ihm voll und ganz zu, und versprach, dass Amerika Zelensky beim „Kampf gegen die Kremlaggression“ unterstützen würde.

Aber das ist nur die äußere Seite des Problems. Das ist die Frage der äußeren Abhängigkeit. Und es gibt auch eine interne. Natürlich glaubt niemand, dass ein gewöhnlicher Komiker ohne jegliche organisatorische und finanzielle Unterstützung Präsident wurde. Und viele behaupten, dass diese Unterstützung einen Namen hat: Oligarch Igor Kolomoisky. Derselbe Kolomoisky, der im Jahr 2014 einer der Sponsoren des Staatsstreichs war. Derselbe Kolomoisky, der mit seinem eigenen Geld die nationalistischen Bataillone Azov und Aydar unterstützte, zu deren Erkennungszeichen Nazi-Symbole gehören. Und derselbe Kolomoisky, dem Petro Poroshenko sein Lieblingskind – die PrivatBank – weggenommen hat. Es scheint, dass dem Oligarchen Kolomoisky heute gelungen ist, sich zu rächen, da das Kiewer Bezirksverwaltungsgericht die Privatisierung der PrivatBank bereits als illegal anerkannt hat und Strafverfahren gegen Poroshenko und sein Umfeld eingeleitet wurden. Das heißt, der Krieg zwischen den Oligarchen geht weiter.

Derselbe Kolomoisky gab unerwartet eine Erklärung ab, die die gesamte ukrainische Politik der letzten Jahre durchgestrichen hat. Und das nicht nur die ukrainische, sondern auch die euroamerikanische. Ende letzten Jahres wies er in einem Interview mit der ukrainischen Journalistin Sonja Koshkina (Linkes Ufer) die Ansicht zurück, dass das Ende des Krieges im Donbass von Wladimir Putin abhänge: „Was hat Putin damit zu tun? In der Donbass-Frage hängt alles von uns ab. Wir befinden uns im Krieg mit uns selbst.“ Sehr ähnlich äußerte er sich in einem Interview mit dem berühmten ukrainischen Journalisten Dmitry Gordon als er sagte, dass es im Donbass keine russischen Truppen gäbe. Außerdem besteht er darauf, dass der Frieden nicht mit Russland, sondern mit den Führern vom Donbass ausgehandelt werden muss.   

So stand der Schauspieler-Präsident Zelensky vor der Shakespeare-Frage: Sein oder Nichtsein?    Einerseits kann er nicht gegen seinen Hauptsponsor Kolomoisky aufbegehren. Und andererseits kann er die sorgfältig aufgebaute internationale Ideologie nicht zerstören, nach der allgemein angenommen wird, dass sich die Ukraine mit Russland im Krieg befindet, weshalb Sanktionen verhängt werden.

Natürlich hat jeder längst verstanden, dass diese Ideologie den unlauteren Wettbewerb einfach verdeckt. Aber was ist mit Zelensky? Es scheint, dass er es selbst noch nicht weiß. Deshalb schweigt er entweder oder macht widersprüchliche Aussagen. Er erklärt, dass er im Donbass Frieden erreichen will, gleichzeitig aber keine Verhandlungen mit dem Donbass führen möchte. Er will mit Putin reden, aber an am nächsten Tag will er nicht mehr. Er scheint zu verstehen, dass in der Ukraine verschiedene Nationen mit unterschiedlichen Mentalitäten leben, aber eine Föderalisierung will er auch nicht. Dasselbe Durcheinander herrscht bei ihm bezüglich der Sprache.

Kurzum, eine neue Vorstellung in der Ukraine fängt gerade erst an. Aber wie wird sie enden?

Ich fürchte, dass selbst Shakespeare keine Auflösung für dieses Theaterstück gefunden hätte.

Efim Bershin

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