Kann man mit Angst Geld verdienen? Man kann.

Kann man mit Angst Geld verdienen? Man kann.

In den baltischen Staaten hält der Propagandawahn an. Täglich werden die Menschen durch Presse und Fernsehen in Angst vor einer „russischen Aggression“ versetzt. Ein alter Freund von mir aus Tallin rief mich neulich an und fragte mich direkt, warum wir Estland angreifen wollten. Natürlich wollte ich niemanden angreifen, also fragte ich ihn, warum er meinte, dass wir, Russland, beschlossen hätten, sie anzugreifen. Da stellte sich heraus, dass mein Freund jeden Tag das lokale Fernsehen schaut.

Ich verstehe, warum eine solche Propaganda von den Machthabern gebraucht wird. Vor allem von den Militär- und Sonderdiensten: Mit „russischer Aggression“ lässt sich über Finanzspritzen westlicher Länder Geld aus dem europäischen Budget ziehen. So hat sich Litauen zu einem der führenden europäischen Länder entwickelt, was den relativen Anstieg der Militärausgaben betrifft: 156% in den letzten zehn Jahren. Kein anderes EU-Land verzeichnet ein solches Wachstum.  Es gibt fast kein Geld, um die Bildung in Litauen zu unterstützen, aber die Militär- und Sicherheitsdienste, die Jahr für Jahr „Kreml-Agenten“ entlarven, erhalten Leckerbissen.  Und wenn wir auch noch das Ausmaß der Korruption berücksichtigen, dann wird klar, wem es nützt, über Angst zu spekulieren.

Genug, das mit dem Geld für die Verteidigung ist klar. Aber kann man auch mit der Behauptung Geld verdienen, dass Russland an Wodka stirbt? Und dass die Menschen aus irgendeinem Grund gerade in St. Petersburg und Kaliningrad an Wodka zugrunde gehen? Möglich. Aber Tatsache ist, dass die Litauer in letzter Zeit mit elektronischen Visa und vereinfachten Regeln nach St. Petersburg und Kaliningrad reisen konnten. Sie kamen als Touristen in großer Zahl in diese Städte. Das hat dem Tourismusgeschäft Litauens selbst geschadet. Deshalb haben die Leute Angst vor russischen Trunkenbolden.

Inzwischen trinken nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung den meisten Alkohol in Europa…. ja, die Litauer. Litauen hat sich beim Alkoholkonsum an die Spitze gesetzt: 12,3 Liter Alkohol pro Person und Jahr. Österreich, Frankreich, die Tschechische Republik und Luxemburg kommen danach. Russland ist nicht einmal unter den ersten Zehn der Alkoholiker. Außerdem hat sich der Alkoholkonsum in Russland in den letzten Jahren fast halbiert – um 43 Prozent.

„Es ist klar, warum die Litauer am meisten trinken“, erklärte der Politologe Alexander Nosowich auf Rubaltic.ru. – „Das Land gehört zu den europäischen  und globalen Rekordhaltern bei Bevölkerungsrückgang, bei Auswanderung von Jugendlichen und Selbstmord. Kann man da anderes tun als aus Hoffnungslosigkeit trinken? Diejenigen, die ein erfülltes und helles Leben mit einem guten Job und einer interessanten Freizeitgestaltung wollten, haben Litauen längst auf einem Billigdampfer nach London verlassen. Der Rest von uns bleibt zuhause, um die taube Sehnsucht nach dem unerfüllten Traum von einem glücklichen europäischen Land in Litern von Alkohol zu ertränken.“ Man muss hinzufügen, dass Litauenbei der Zahl der Selbstmorde  in Europa  in der Tat an der Spitze steht.

Aber bei alledem sagt die WHO-Selbstmordratenschätzung, dass es keinen Zusammenhang zwischen der Anzahl der Selbstmorde und dem Lebensstandard, dem Zustand der Wirtschaft oder dem Zustand der Gesundheitsversorgung im Land gebe. Kann sein, das es so ist. Aber wenn diverse soziologische Institutionen keine Abhängigkeit finden können, werde ich sie in dieser Anmerkung auch nicht finden. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass man die eigene Bevölkerung nicht mit einer Bedrohung aus dem Osten erschrecken und die Nachbarn nicht beleidigen sollte. Die Bevölkerung wird davon nicht besser leben.

Yefim Bershin

Übersetzung: Kai Ehlers

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