REVOLUTIONÄRE MODE

REVOLUTIONÄRE MODE

Über die Revolution haben viele Menschen gesprochen und geschrieben. Dabei sagten und schrieben sie Unterschiedliches. Ich kann nicht alle klugen Aussagen von Philosophen, Schriftstellern, Publizisten und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens nennen. Es gibt zu viele von ihnen. Aber einige möchte ich doch zitieren.

Otto von Bismarck: „Revolutionen werden von Romantikern konzipiert, von Fanatikern ausgeführt, und ihre Ergebnisse werden von Bastarden genutzt.“

Nikolai Berdjajew: „Revolutionen sind immer erfolglos, es gibt keine erfolgreichen Revolutionen, und es kann sie nicht geben. Sie führen immer zu etwas anderem als dem, was gewollt war, sie verwandeln sich immer in ihr Gegenteil.“

Maxim Gorki: „Revolutionen sind notwendig, um Revolutionäre zu vernichten.“

Michail Menschikow: „Revolutionärer Wahnsinn besteht darin, dass er die Natur nicht so akzeptiert, wie sie ist, sondern sie im Namen einzelner ihrer Momente brechen will. Was würdest du sagen, wenn ein Ruf ertönte: ‚Tod der Hässlichkeit! Tod der Krankheit! Tod dem hohen Alter!‘ Theoretisch hätte diese Forderung natürlich etwas Gutes: Ist es denn nicht wünschenswert, dass alle Menschen schön, gesund und jung sind? Aber durch die Vernichtung derer, die es nicht sind, würde die Menschheit ruiniert.

Pitirim Sorokin: „In den ersten Monaten nach dem Oktoberumsturz (in Russland) wurden viele Einschränkungen beseitigt: Bauern erhielten das Recht, das Land der Grundbesitzer an sich zu nehmen, Soldaten konnten den Krieg beenden und nach Hause zurückzukehren; den Arbeitern wurde  ermöglicht statt zu arbeiten wichtigere Posten in der Verwaltung einzunehmen, sich der Bourgeoisie zu widersetzen, Fabriken und Anlagen zu kontrollieren. Was die Ränder der Gesellschaft betrifft – Kriminelle, Abenteurer und andere -, so haben auch sie Regierungssitze gewonnen und volle Freiheit, ihre ureigenen Bedürfnisse in Form von Mord und Plünderung zu befriedigen …“

Warum interessiere ich mich plötzlich für das Thema der Revolution? Tatsächlich bin nicht ich derjenige, der interessiert ist. Es ist nur so, dass ich in den letzten Jahren viele Menschen um mich herum hatte, die ständig über Revolution sprechen. Und wieder sagen sie verschiedene Dinge. Zum Beispiel haben viele liberale Intellektuelle in Russland aus irgendeinem Grund beschlossen, Marxisten zu werden. Wie wir wissen, sagte Marx, dass Revolutionen die Lokomotive der Geschichte sind. So haben unsere Liberalen nach dem bewaffneten Staatsstreich in der Ukraine den Satz aufgestellt: Das Volk hat das Recht auf Revolution. Dabei haben sie offenbar vergessen, wie die Revolution von 1917 in Russland vor sich ging – eine Katastrophe, Millionen Opfer im Bürgerkrieg, völlige Verwüstung und der Beginn einer blutigen Diktatur. Vergessen haben sie, wie viele Opfer die Revolution in Frankreich und vielen anderen Ländern gekostet hat. Trotz all dem ist es in Mode, über mögliche Revolutionen zu sprechen.

Im Übrigen ist es in der Welt von heute schwierig sich spontane Bewegungen von Völkern vorzustellen. Die Menschen sind seit langem Opfer der Propaganda. Ihr Bewusstsein wird von den Massenmedien geprägt und von denen, in deren Interesse revolutionäre Umstürze geplant werden. Moderne Technologien machen es zudem möglich, konkurrierende Länder mit Hilfe von außen initiierter „farbiger Revolutionen“ einfach aus der Politik zu entfernen.

Revolutionen bringen den Menschen nichts als Verwüstung und neues Leid. Sie führen in kurzer Zeit auch zu Chaos und Gesetzlosigkeit. Sind doch die „Gewinner“ nicht in der Lage die spontane Bewegung über einen längeren Zeitraum zu kontrollieren. Nicht von ungefähr warnte der große russische Dichter Alexander Puschkin: „Bringt Gott nicht dahin, die russische Rebellion anzusehen, bedeutungslos und rücksichtslos!“

In der Tat, bringt Gott nicht zu so etwas.

Jefim Berschin

Übersetzung: Kai Ehlers

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COMMENTS

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    Horst Beger 3 Monaten

    Alexander Puschkin, gestorben 1837, hat weder die auf Befehl von Nikolaus II. blutig zusammengeschossene friedliche Bittprozession des Priesters Georgij Gapon von 1905 erlebt, noch die vom Westen unterstützte Februarrevolution von 1917, und schon gar nicht die mit deutscher Unterstützung Lenins in Gang gesetzte Oktoberrevolution von 1917. Bezogen darauf waren Puschkins Warnungen vor einer „russischen Rebellion“ weder begründet noch gottgewollt.

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    Frank Werner 3 Monaten

    Kleine Korrektur: Die Februarrevolution war eine Revolution, die Oktoberevolution kann eher als Putsch klassifiziert werden.

    Was soll eigentlich die Quintessenz aus dem Artikel sein? Die aktuelle Herrschaft ist gottgegeben, man muß sich fügen, denn es kommt sonst immer schlimmer? Es gibt genug Bespiele für erfolgreiche Revolutionen – wenn auch nicht so bezeichnet – der amerikanische Unabhängigkeitskrieg, die friedlichen Revolutionen im alten Ost-Block, die Unabhängigkeit Indiens und vieler Kolonien, das Ende der Apartheit in Südafrika usw. Also Revolutionen sind schlicht nicht immer erfolglos. Erfolglos ist das Hoffen von Diktaturen und Autokratien, das Volk endlos betrügen zu können.

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    Horst Beger 3 Monaten

    Alexander Puschkin hat ein einer Rezension von 1830 über die historische Stellung des Christentums auch formuliert: „Der größte geistige und politische Umbruch unseres Planeten ist das Christentum. Mit dieser heiligen Elementarkraft verschwand eine (alte) Welt und erneuerte sich.“ Damit hat er sicher nicht „das Westliche (römische) Christentum, das das Östliche Christentum seit dem vierten Jahrhundert bis heute bekämpft“ gemeint, wie der amerikanische Politologe Samuel Huntington das 1996 in seinem „Kampf der Kulturen“ aufgezeigt hat. Denn das römische Christentum dient de Geist in der Wüste“, d.h. dem Antichrist, wie Fjodor Michailowitsch Dostojewkij das in seiner Erzählung „Der Großinquisitor“ ausgedrückt hat. Die Oktoberrevolution und der Große Vaterländische Krieg, so blutig sie waren, haben daher verhindert, dass Russland katholisch wurde, und damit nicht nur das russische Christentum gerettet, sondern das Christentum überhaupt.