Strategiepapier der USA: „Oh, welch ein Malheur!“

Kommentar von Dr. Gerhard Mersmann.   Jeden Tag fügen sich neue Steinchen in das Bild hiesiger strategischer Inkompetenz ein. Aus den USA heißt es nun, und zwar sowohl seitens der Trump-Administration als auch von scharfen Kritikern amerikanischer Außenpolitik, dass Russland für Europa keine Bedrohung darstelle. Das Papier zur Sicherheitsstrategie aus dem Weißen Haus, welches bezüglich der Einschätzung Europas und Deutschlands vieles enthält, welches ein Gros der hier Lebenden teilen würde, wird von den Miniaturstrategen aus den heutigen wie gestrigen Regierungsämtern mit Schaum vor dem Mund kommentiert. „Oh, welch ein Malheur! Der Krieg gegen Russland ist nicht in Stein gemeißeltes Interesse der USA!“ Die einzige Schlussfolgerung, welche die Bankrotteure jeglicher nationaler wie europäischer, an den tatsächlichen Interessen orientierten Außenpolitik zu schließen in der Lage sind, ist kriegerische Eskalation.

Zu den Hauptdarstellern gehören die bissigsten Hunde am Nordrand der NATO, die bezeichnenderweise die geringsten Kosten tragen, und selbstverständlich das klappernde Skelett des British Empire, das taumelnde Frankreich und, wie könnte es anders sein, ein bereits demontiertes Deutschland mit einem Lobbyisten amerikanischer Konzerne an der Spitze. Und natürlich eine zum totalen Krieg entschlossene, durch nichts legitimierte EU-Kommission, die mit ihrem regulatorischen Totalitarismus jede Form wirtschaftlicher Leistung zunichte macht. Die Prognose für diesen Besatz: Alles, was sich in dem amerikanischen Papier an Befürchtungen über den Zustand und die Zukunft Europas lesen lässt, wird noch übertroffen werden.

Dass die Politik von Ländern sich an deren Interessen zu orientieren hat, ist ein weit verbreiteter Grundsatz der internationalen Politik. Nur von den hiesigen Dilettanten, die meinten, sie könnten immer so weiter machen unter dem Rock der amerikanischen Bellizisten und es nicht einmal für nötig hielten, die Möglichkeit der Änderung amerikanischen Interessen und einer daraus resultierenden anderen Außenpolitik mit einzukalkulieren, ist dieser Grundsatz aufs Schmählichste verraten worden. Und sie sollten sich darüber im Klaren sein, dass sie für den Verrat an ihren Gemeinwesen, die dabei sind, mit rasendem Tempo den Bach herunter zu gehen, zur Verantwortung gezogen werden.

Und obwohl immer so schön von Werten und den Prinzipien die Rede war, zu deren Gusten man die Interessen des Landes auch einmal hinten anstellen müsse, haben sie alles verraten, was mit den Werten und dem politischen System zusammenhängt. Wem fallen bei der Betrachtung dieser Entourage noch Begriffe ein wie Freiheit, Recht, Einigkeit, Loyalität, Frieden, Solidarität, Vernunft, Gerechtigkeit, Vertrauen? Sehen Sie sich die Gesichter derer an, die aktiv auf den jetzigen Zustand hingearbeitet haben und beantworten Sie die Frage. Und vergessen Sie bitte nicht, sich bei der Lektüre der als gemäßigt geltenden Monopolistenblätter nach der viel beklagten Quelle von Hass und Hetze zu suchen!

Und fragte man die Verantwortlichen, so wären sie sofort dabei, alle möglichen Delinquenten zu nennen: Putin, Trump, Xi Jinping, die AFD, den Rassemblement National, die italienischen Faschisten, die Aluhüte und Impfverweigerer und letztendlich das dumme Volk. Nur sie selbst, als diejenigen, die immer von Verantwortung reden, aber ihre eigene Unzulänglichkeit jedem nur möglichen Feindbild anzuhängen versuchen, tragen natürlich keine Verantwortung für den beklagenswerten Zustand.

Wer, bitte schön, will diese Schreihälse, die nichts Konstruktives zu bieten haben, am Tisch sitzen haben, wenn es ums Ganze geht? Niemand, der bei Verstand ist!

COMMENTS

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    Alain Dupet 1 Monat

    Dr. Mersmanns Kommentar beleuchtet mit scharfer Rhetorik eine angebliche strategische Inkompetenz europäischer Eliten angesichts eines Wandels der US-Außenpolitik, die Russland nicht länger als zentrale Bedrohung Europas einstufe. Er kritisiert europäische Regierungen – und insbesondere die deutsche Führung – als „Lobbyisten“ amerikanischer Konzerne, die blind der kriegerischen Eskalation folgen, statt nationale Interessen zu vertreten.

    Die Hauptthese ist: Der Verrat am Gemeinwesen resultiert aus einer Abkehr von Werten und realpolitischen Interessen zugunsten einer scheinheiligen Wertepolitik, deren Akteure jegliche Verantwortung von sich weisen. Dieser „Besatz“ führe Europas raschen Niedergang herbei und werde die Befürchtungen des US-Papiers noch übertreffen.

    Wird 2026 einen Durchbruch oder mehr Krieg bringen?

    Die derzeitige Dynamik und die Prognosen von Analysten legen nahe, dass 2026 eher mehr Krieg oder bestenfalls einen eingefrorenen Konflikt bringen wird, als einen echten Friedensdurchbruch. Russland stellt sich laut Budget- und Rüstungsplänen auf einen langen Krieg ein. Zwar gibt es diplomatische Kanäle und Gespräche, aber die Kernkonflikte – insbesondere die Gebietsfrage und Sicherheitsgarantien für die Ukraine – bleiben ungelöst. Ein tatsächlicher Frieden scheint ohne einen substanziellen Kurswechsel in Moskau oder einen dramatischen Bruch in Russland selbst, oder ohne die Bereitschaft Kiews zu schmerzhaften Kompromissen, unwahrscheinlich. Die von Mersmann betonte Verschiebung der US-Interessen könnte den Druck auf die europäischen Verbündeten erhöhen, eigene militärische und diplomatische Initiativen zu ergreifen, was angesichts der inneren Uneinigkeit Europas die Lage weiter verkomplizieren könnte.

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    Horst Beger 2 Monaten

    Selbst der Papst versucht aus dem „Kulturkampf“ Europas gegen Russland noch Honig zu saugen.

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      Horst Beger 1 Monat

      Denn die Römische Kirche, die seit über tausend Jahren Ursache des „Kulturkampfes“ Europas gegen Russland ist, weiß natürlich, dass die Zukunft des Christentum in Russland liegt. Wie der Namenspatron des jetzigen Papstes, Leo XIII. das in seiner Enzyklika „Grande munus“ von 1880 erklärte: „Der Augenblick ist gekommen, dass wir die slawischen Völker unterstützen, deren Wohl und Heil uns so sehr am herzen liegt.“ Und zum Zeichen seiner geheuchelten Sympathien für die slawische Welt schrieb der Papst das Fest der Slawenapostel Kyrill und Method als für die gesamte römische Kirche verbindlich vor und erklärte, „die Slawen seien durch göttlichen Ratschluss berufen, das Christentum in die Zukunft zu führen.“

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