WELTORDNUNG ODER GLOBALE GEWALT

WELTORDNUNG ODER GLOBALE GEWALT

Was ist die sogenannte „Weltordnung“? Politiker verwenden dieses Wort sehr oft und vergessen dabei zu sagen, wie die Weltordnung aufgebaut ist. Und in wessen Interesse. Aber sie reden gerne darüber, wie dieses oder jenes Land versucht, diese Ordnung zu verletzen.

Wenn man in die Geschichte schaut, zeigt sich, dass es eine Menge Weltordnung gab. Wir werden nicht alle auflisten. Wahrscheinlich glaubten auch die Länder, die Kolonien auf der ganzen Welt eroberten, dass sie eine Weltordnung aufbauen. Und Napoleon hat in  Europa eine neue Ordnung geschaffen. Nach dem Ersten Weltkrieg errichteten Frankreich und England, die sich für die Sieger hielten, eine Ordnung, in welcher der bolschewistische Umsturz in Russland unvermeidlich wurde und Deutschland in seiner wirtschaftlichen Entwicklung so begrenzt war, dass dies Hitler schließlich an die Macht brachte. In den von den Hitleristen eroberten Territorien ja der allgemeinste Ausdruck, der auf allen Säulen angebracht war, genau das: „Neue Ordnung“. (im Text noch einmal in deutscher Sprache: Neue Ordnung, ke) Nach dem Zweiten Weltkrieg errichteten die Siegermächte – die UdSSR, England, die USA und Frankreich – eine neue Weltordnung und teilten die Welt entlang ihrer Interessen. Und als die Sowjetunion zusammenbrach, gab es wieder Gewinner, die eine neue Ordnung begründeten – und nun sind sie sehr empört, wenn der, der die „Ordnung“ vertritt, versucht, sie zu brechen.

Ja, heute beginnt die Weltordnung sich aufzulösen, welche die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten nach 1991 als vermeintliche Sieger zu etablieren versuchten. Weil sie  offensichtlich nur im Interesse bestimmter Staaten und ohne Berücksichtigung der Interessen anderer Staaten festgelegt wurde. Die Logik der „Gewinner“ erwies sich als so primitiv und so kurzsichtig, dass Länder wie China, Indien, Brasilien, Argentinien und sogar das NATO-Mitglied Türkei keinen angemessenen Platz darin fanden. Genauer, es fand sich ein Ort, aber überhaupt nicht der, den diese Länder beanspruchen. Und dann beginnt auch Russland noch, aus dem Chaos der neunziger Jahre herauskommend, seine Rechte geltend zu machen. Das ist nach Ansicht der „Sieger“ “ ein echtes Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Heute ist schon klar, dass sich die derzeitige Weltordnung ändern wird. Schon deshalb, weil sich die großen Länder unter dem gegenwärtigen Stand der Dinge einfach nicht weiterentwickeln können. Nötig sind andere,  gerechtere Bedingungen. Aber klar ist auch noch etwas anderes: Noch niemand hat seine Macht über die Welt ohne Widerstand abgegeben. Daher kommen alle möglichen Sanktionen ins Spiel, werden Ideologien entwickelt, um Unzufriedene zu denunzieren. In meinem Artikel „Kolonisation Europas“ habe ich bereits die Aussage von US-Senator Lindsay Graham, einem der Entwickler der  Sanktionen gegen Russland, zitiert: „Unser Ziel ist es, den Status Quo zu ändern und vernichtende Sanktionen und andere Maßnahmen gegen Russland zu verhängen, bis es nicht mehr existiert … “ Es geht also nicht um die verschwundene kommunistische Ideologie, nicht um die fiktive Diktatur auf dem Gebiet des postsowjetischen Russland, sondern um die Existenz Russlands als möglichem Konkurrenten auf den Weltmärkten. Und um einen Konkurrenten auszuschalten, ist jede Methode geeignet, auch eine Ideologie, die man schon als nazistisch betrachten  kann. Das zeigt sich besonders bei dem Militärattache der US-Botschaft in Warschau, James McDonough, der sagte, dass „die Russen kein Recht haben, sich selbst den Amerikanern gleichzustellen“. Er drückte damit seine Theorie der Moderne aus und vergaß dabei nicht zu erwähnen, dass die „Elite“ so denkt. Was das für eine „Elite“ ist, können wir nur vermuten, aber es ist gut möglich, dass McDonough viele Gleichgesinnte hat. Ohne sich um Beweise zu kümmern, sagt der Attachè, dass „die USA die Welt verbessern“ und „alle von Amerika gemachten Fehler – Kleingeld sind“. Er erklärt, dass Russland „die Quelle des Bösen der Welt“ sei, dass „die Handlungen der Vereinigten Staaten auf Moral und Ethik basieren“, in Moskau dagegen „auf antimoralischem Verhalten“.  Das wahre Meisterwerk aber sieht so aus: „… Russen sollten schon lange verstehen – ihre Rettung liegt darin zu büßen. Und büßen solange, wie amerikanische Missionare die Welt zu einem besseren Ort machen.“

Ehrlich gesagt, selbst kommentieren möchte man das alles nicht. Ich verstehe, dass solche Reden für diejenigen gedacht sind, denen die elementarste Logik fehlt. Für Taube und Blinde, die nie gesehen haben, dass der ausgebombte Irak, Afghanistan, Libyen, Serbien – „Kleingeld“ sind. Für diejenigen, die nicht verstehen, dass der Export ihrer eigenen Lebensweise in andere Länder diese Länder mit Chaos, Desintegration, dem Verlust nationaler Kulturen und nationaler Würde bedroht. Aber wenn es um den Erhalt des eigenen Primats in der Welt geht, dann ist jede Ideologie gut. Auch wenn sie ganz und gar auf elementaren Lügen beruht.

Das neue Wettrüsten und die bisherigen verbalen Drohungen, mit denen die Reden der gegenwärtigen Politiker gesättigt sind, deuten darauf hin, dass die Welt an einen gefährlichen Punkt gekommen ist, über den hinaus sich die Weltordnung ändert. Alle vorherigen Änderungen dieser Art endeten in der Regel in blutigen Weltkriegen. Uns allen bleibt nur zu hoffen, dass den Politikern  der gesunde Menschenverstand reicht, um historische Lehren zu berücksichtigen und zukünftige Änderungen ohne viel Blut durchzuführen.

Efim BERSHIN

Übersetzung Kai Ehlers

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COMMENTS

WORDPRESS: 1
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    Horst Beger, Gesellschaft für Deutsch-Russische Begegnung Essen mit der Partnerstadt Nishnij Nowgorod 2 Wochen

    Der Blick von Efim Bershin auf die „Weltordnungen“ von gestern und heute ist teilweise etwas zu kurz geraten. Es waren nicht England und Frankreich, die nach dem Ersten Weltkrieg eine neue Weltordnung errichteten. Sondern es waren die USA, die durch ihr Eingreifen in den bis dahin im Wesentlichen kontinentalen Krieg diesen erst zu einem Weltkrieg gemacht haben. Und die USA haben 1917 in diesen Krieg erst direkt eingegriffen als sich abzeichnete, dass die Februar-Revolution in Russland scheitern und der bolschewistische Umsturz sich mit Hilfe des Deutsche Reiches, das Lenin nach Russland schleuste, durchsetzen würde.
    Und Hitler wurde nicht durch den verlorenen Ersten Weltkrieg an die Macht gebracht, sondern durch eine Intrige im Reichspräsidentenpalais um den Päpstlichen Kammerherrn von Papen von der Zentrumspartei, die durch die Einsetzung von Hitler als Kanzler ein „Bollwerk gegen den Bolschewismus“ schaffen wollten.
    Und die heutige europäische Weltordnung wurde ebenfalls durch die USA bzw. die NATO geschaffen, „um Amerika in Europa zu halten, Russland draußen zu halten und Deutschland klein zu halten“, wie der erste NATO-Generalsekretär das formuliert hat.