WOHNUNG ODER BRIEFTASCHE

WOHNUNG ODER BRIEFTASCHE

Die Polizei berichtete, dass die Zahl der Verbrechen in Moskau während der sogenannten Selbstisolierung stark zurückgegangen sei. Klar, dass auch Diebe und andere Banditen im Stress sind. Sie sitzen zu Hause und vertrinken ihre Beute von früher. Sie sind auch Menschen. Sie verstehen, dass das Leben immer noch wichtiger ist, als der Geldbeutel.

Sie verstehen vielleicht. Aber ein erheblicher Teil aller Kommentatoren, derer, die in ihren Köpfen Politikwissenschaft und Virologie völlig vermischt haben, obwohl sie von beidem nicht viel verstehen, schimpfen auf die hilflose Medizin, die hilflose Regierung und sogar auf den Herrgott. Aber in keiner Weise können sie den unvermeidlichen Niedergang der Wirtschaft mit dem elementaren Überlebensbedürfnis verbinden. Doch die Wirtschaft… Nun, die Wirtschaft? Die ist natürlich wichtig. Aber nur für die Lebenden.

Eines Tages während einer anderen Krise (und wir haben ständig Krisen, Durchfall oder Skrofulose) kam ein Freund aus Deutschland, Schriftsteller und Publizist, nach Moskau, stieg in ein Taxi und sprach mit dem Fahrer. Als sehr neugieriger Mensch fragte er den Fahrer, was er von der damals aktuellen Krise halte.

„Was für eine Krise?!“ gab der Fahrer zurück: „Kartoffeln haben wir immer!“

Dem stimme ich grundsätzlich zu. Kartoffeln wird es geben. Die Datschen hat niemand beseitigt. Also, sterben werden wir nicht.  Wenn wir nicht sterben.

Was mich heute am glücklichsten macht, ist der moralische Diskurs. Die Ärzte sagen, es sei unmoralisch, schlecht zu behandeln. Unmoralisch ist es, Ärzte zur Behandlung zu schicken, damit sie sich dort infizieren. Die Regierung gibt kein Geld aus, das ist unmoralisch. Wenn sie Geld herausgibt, ist es schnell aufgebraucht – das ist auch wieder unmoralisch. Es ist unmoralisch, Menschen dazu zu bringen, zu Hause zu bleiben, Angst ist unmoralisch. Noch unmoralischer ist es, das Haus zu verlassen, und andere anzustecken. Unbekannt ist schließlich, wer bei dieser Pandemie vor allem Geld verdienen wird. Obwohl klar ist, dass sie uns, meine lieben Leserinnen und Leser, in keinem Fall etwas einbringt. Welchen Sinn hat es, sich Sorgen zu machen?

Kurz gesagt, der moralische Diskurs ist heute äußerst unmoralisch. Denn die Menschen haben längst jede Moral zerstört. Oder das, was sie Moral nennen. Sie haben es selbst zerstört. Wenn man zu einem goldenen Kalb statt zu Gott betet, kann das keine Moral aushalten. Seit dreißig Jahren schreibe ich, dass das Verständnis von Gut und Böse im Menschen zunehmend verschwimmt. Jetzt wird mir klar, dass ich mir vergeblich Sorgen gemacht habe. Die Menschen haben es nie wirklich gewusst. Zwei Menschen versuchten einst, es zu erfahren, wurden aber aus dem Himmel verbannt. Und um Gott seit Tausenden von Jahren zu ärgern, haben sie versucht, den Himmel auf Erden zu schaffen, indem sie die Moral ständig ihren eigenen Interessen angepasst haben. Wenn es notwendig ist, zu rauben und zu töten – wurde geraubt und getötet. Meineid zu leisten, also zu lügen, ist noch einfacher. Und alles hat seine eigene Moral. Unser Sodom ist sodomistischer als das biblische. Und was hat es für einen Sinn, in der chinesischen Stadt Wuhan oder anderswo nach den Schuldigen für unsere gegenwärtigen Schwierigkeiten zu suchen? Wir, wir alle haben den Haken des unmoralischen Konsumismus geschluckt. Wir alle sind diejenigen, die sich eine Pseudo-Elite und Pseudo-Aristokratie aus Gaunern, Beamten und Schönrednern aufdrängen ließen. Ein Zwitschern-Zirpen.

Schaut in den Spiegel. Ja, ja, ihr seid es selbst, die den Vater des Universums, der allein den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse besitzt, täuschen wollten und immer noch täuschen wollen. Hört auf Ihn, er sagt es Euch. Ihr hört nichts? Dann fragt nicht, woher die Krankheiten des Himmels auf unseren Köpfen herrühren. Aber seid Euch bewusst, dass, wie die Korinther sagen: „Es hat Euch noch keine  denn menschliche Versuchung betroffen.“ (1. Korinther 10,13). Natürlich.  Also was? Lasst Euch nicht in Versuchung führen, dann werdet Ihr auch nicht verführbar.

Aber ich werde versuchen, Euch mit einer weiteren Bekehrung zu trösten: „… achte  nicht gering die Züchtigung  des Herrn und verzage nicht, wenn du von ihm gestraft wirst. Denn welchen der Herr liebhat, den züchtigt er,  und er straft einen jeglichen Sohn, den er aufnimmt.“ (Hebräer 12:6) Amen.

Er liebt Euch immer noch.

Jefim Berschin

Übersetzung: Kai Ehlers

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COMMENTS

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    Horst Beger 3 Wochen

    Alexander Puschkin hat in einer Rezension von 1830 geschrieben: „Der größte geistige und politische Umbruch unseres Planeten ist das Christentum. Mit dieser heiligen Elementarkraft verschwand eine (alte) Welt und erneuerte sich.“ Und es nicht ohne eine gewisse Tragik, dass die Prediger des Alten Testamentes das nicht erkannt und anerkannt haben.

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