Krieg ist Krieg. Es gibt nichts Schlimmeres!

Krieg ist Krieg. Es gibt nichts Schlimmeres!

 [Kommentar von Christian Müller, infosperber.ch] Wo geschossen wird, entsteht immer menschliches Elend. Der Angriff auf die Ukraine hätte verhindert werden können – und müssen.

Zur kurzen Erinnerung: Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 wurde der Warschauer Pakt aufgelöst und die Sowjets bzw. dann die russischen Truppen wurden aus Ostdeutschland vollständig abgezogen. Die NATO aber blieb bestehen und die USA unterhalten in Deutschland bis heute bestausgerüstete Militärbasen inkl. modernster Atombomben. 1991 herrschte unter den politischen Führungsleuten von Deutschland, Russland, Grossbritannien und den USA Konsens, dass die NATO nicht nach Osten erweitert werden darf.

Die Entwicklung nach 1991 verlief dann sehr einseitig. Die NATO blieb nicht nur erhalten, sie wurde sogar nach Osten erweitert, an einigen Stellen, etwa in den baltischen Staaten, bis an die Grenzen Russlands. Die NATO baute dort neue militärische Basen auf und führte, vor allem in den letzten Jahren, gigantische Manöver durch, inklusive Soldaten und Panzer aus den USA. Truppen aus westlichen Ländern auf fremdem Boden! All das sollte Russland das Fürchten lehren – und es tat es das auch.

Im Dezember 2021 verlangte deshalb Russland von den USA und von der NATO Sicherheitsgarantien und den Stopp der NATO-Osterweiterung. Sowohl die USA wie auch die NATO lehnten diese Forderungen mündlich und schliesslich auch schriftlich vollständig ab und – das ist enorm wichtig! – sie verstärkten sogar ihre Lieferungen von Waffen an die Ukraine massiv und entsandten zusätzliche Truppen in osteuropäische Länder. Und dies, obwohl in den Forderungen von Russland klar geschrieben stand, Russland werde sonst eine «militär-technische» Antwort geben müssen.

Für den aufmerksamen Beobachter ist der gestrige Angriff Russlands auf die Ukraine deshalb keine totale Überraschung. Der Bürgerkrieg im Donbass dauerte nun schon acht Jahre, länger als der Zweite Weltkrieg! Sieben Jahre lang hoffte auch Russland, dass die ukrainische Regierung die von ihr (noch unter Poroschenko) unterschriebenen Vereinbarungen von Minsk II angehen würde. Aber es gab keine Anzeichen aus Kiev zur Bereitschaft, schon nur mit den Separatisten im Donbass ins Gespräch zu kommen. Als der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seiner Wiederwahlrede am 13. Februar 2022 – in hässlicher Verleugnung seiner früheren Aktivitäten auf dem Euromaidan 2014 und bei den Minsk II-Vereinbarungen – sagte, an der jetzigen Krise sei Russland alleinverantwortlich, erhielt er aus der Versammlung der Abgeordneten tosenden Beifall. Dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj wurde an der Münchner Sicherheitskonferenz ebenfalls tosender Beifall gespendet. Viele, fast alle westlichen Medien hetzten gegen Russland. Einzig der französische Präsident Emmanuel Macron versuchte – in bewährter Fortsetzung der Politik von Charles de Gaulle, der vor dem Allein-Weltbeherrschungs-Anspruch der USA immer gewarnt hatte – mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin ernsthaft ins Gespräch zu kommen.

Man muss den Angriff Russlands auf die Ukraine nicht gutheissen – wer täte das schon, er ist grauenhaft –, aber erstaunt darf man nicht sein, wenn Putin nun – zum Leidwesen von Millionen von Menschen – die Nerven verloren und die Reissleine gezogen hat.

Die Reaktionen der westlichen Regierungen und der meisten westlichen Medien auf den Angriff erstaunen ebenfalls nicht. Mit ihrer Hetze gegen Russland insbesondere in den letzten Monaten, Wochen und Tagen haben sie – wie von mir prognostiziert – dafür gesorgt, dass an der jetzigen Situation, an diesem Krieg in der Ukraine, Russland allein die Schuld zugeschrieben wird. Es wird auch hier, wie damals in Georgien, Monate oder Jahre dauern, bis man einigermassen klar sieht, wie die letzten Tage im Donbass abgelaufen sind, wer mit grossem Kaliber zu schiessen begonnen hat.

Es ist eine unermessliche Tragödie, dass Putin sich von den westlichen Mächten und Medien hat provozieren lassen. Im Moment kann man nur hoffen, dass die Zahl der zivilen Kriegsopfer verhältnismässig klein bleibt. Die Offerte Russlands, die Ukraine in Ruhe zu lassen, wenn sie sich zum neutralen Staat erklärt, sollte immerhin ernst genommen werden.

Krieg ist Krieg. Es gibt nichts Schlimmeres.

Mit freundlicher Genehmigung von Infosperber.ch>>>

COMMENTS

WORDPRESS: 5
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    Mischa 3 Monaten

    Salü. Solche Texte machen mich total wütend. Der arme Herr Putin, die armen Russen. Keiner hat die Staaten Osteuropas gezwungen in die Nato einzutreten. Sie haben sich freiwillig dazu entschlossen. Heute sind sie heilfroh das sie sich dazu entschieden haben. Heute kann man in Polen, Tschechien den baltischen Staaten usw frei seine Meinung äussern. Kann man das in Russland, in Kasachstan, in Tschetschenien????
    Als ehemaliger Ostblock Bewohner, kann ich nur sagen, bei uns waren die Russen immer verachtet. Alle Nichtrussen waren Menschen zweiter Klasse.
    Ich kann mir nicht vorstellen, dass die normalen Menschen in den GUS Staaten glücklich sind, von den Russen besetzt zu sein oder zu werden.
    Menschen die solche Artikel schreiben, den wünsche ich, dass sie eines Morgens in solch einem repressiven Staat aufwachen…
    Aber wahrscheinlich leben sie schon da und gehören zur Elite (FSB?)…

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      Ich möchte Sie eindringlichst bitten die Contenance zu bewahren. Hier sollen sachliche Diskussionen geführt werden, ohne Beleidigungen und Unterstellungen.
      Danke

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      Gunther Leschik 3 Monaten

      Sehr geehrter Mischa,
      für mich beginnt alles mit der Propaganda gegen Russland im Zweiten Weltkrieg ( Beispielhaft Nemmersdorf)
      Diese Propaganda wurde nach Mai 1945 vom Westen übernommen:

      „Die Russen haben 1945 hunderttausende Frauen in Berlin vergewaltigt “

      Diese Propaganda Lüge wird bis heute gepflegt ,mal mehr , mal versteckt . Bis in Sendungen ZDF Historie usw. wird dieser Vorwurf hoffähig gehalten.

      Bevor sie mich in der Luft wütend zerreißen:

      Historiker schätzen das bis zu 800 000 Frauen in Berlin vergewaltigt wurden, wahrscheinlich tausende danach ermordet und ungezählt viele sich selbst gerichtet haben.
      Die Propaganda Lüge ist daran : es waren nicht “ die Russen “
      Es waren die Soldaten der roten Armee
      In dieser Armee dienten 30 Millionen Soldaten . Ich hab versucht die Zahlen nach den Nationalitäten festzustellen. Es ist mir nur teilweise gelungen.
      6 Millionen Weißrussen
      8 Millionen Ukrainer
      270 Tausend Aserbaidschaner
      370 Tausend Polen
      Über Russen, Litauer Esten Letten Deutsche Kirgisen Georgier usw . habe ich keine Angaben gefunden.
      Diese Angaben sind bestimmt ungenau !
      Meine Heimatregion ist von einer polnischen Einheit der roten Armee befreit / erobert worden.
      Dieser Einheit haben sich ehemalige Zwangsarbeiter angeschlossen und sich bitter böse an der Dorfbevölkerung gerächt.
      Wenn ich ihre Zuschrift lese , erkenne ich die Saat dieser verlogenen Propaganda.

      Lassen sie uns
      Frieden schaffen , ohne Waffen

      Aber auch ohne NATO

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    Horst Beger 3 Monaten

    In diesem Zusammenhang muss noch einmal an die Ziele der NATO erinnert werden, wie sie der erste NATO-Generalsekretär formuliert hat: „Amerika in Europa zu halten, Russland draußen zu halten und Deutschland klein zu halten“. Daran hat sich nichts geändert außer der Tatsache, dass sich die ursprüngliche Grenze zur Sowjetunion nach deren Auflösung bis an die Ostgrenze des heutigen Russland verschoben hat und die NATO sich entsprechend nach Osten erweitert hat. Und Deutschland hat sich diesen Zielen masochistisch untergeordnet und ist nach den USA in preußischer Tradition insgesamt zu einem Hauptbetreiber der militärischen Aufrüstung der NATO geworden. Dies hat dazu geführt, dass Russland in Georgien einmarschiert ist, die Krim wieder mit Russland vereinigt und jetzt begonnen hat, die Ukraine militärisch zu neutralisieren, um eine weitere Ausdehnung der NATO an Russlands Grenzen zu verhindern, weil Amerika und die NATO einschließlich der Ukraine sich bis heute geweigert haben, Russlands Forderungen nach einer neutralen Haltung der Ukraine nach zu kommen.

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      Volker Wirth 3 Monaten

      Alles richtig bis auf die allzu vereinfachende Darstellung des georgischen Angriffs auf die russische Friedenstruppe im August 2008, bei der unter dem Artilleriebeschuss binnen Minuten 66 russische Soldaten starben; danach allerdings, nach der Heranziehung von Truppen von jenseits der Berge des Kaukasus und der Vernichtung der Angreifer, rollten die russischen Panzer und MTW ziemlich ungehindert durch Georgien – und zogen sich wieder zurück. Aus solchen Vorgängen lernen die einen, es besser zu lassen („es“ heißt: die Rückeroberung von Südossetien und Abchasien), die andern aber: wir müssen noch besser vorbereitet sein, noch stärker zuschlagen, noch mehr Militärhilfe von den USA bzw. vom Westen überhaupt haben. Die Schockwirkung hat leider stark nachgelassen – denn die Vorgänge von 17. bis 24. Februar im Donbass waren sehr ähnlich denen von 2008 bei Tsinwali. Außer dass die Militärhilfe aus den angelsächsischen Ländern 2022 noch umfangreicher ist.