Strategisches Storytelling – erzählt Russland die besseren Geschichten?

Strategisches Storytelling – erzählt Russland die besseren Geschichten?

[von Michael Schütz] Alle Menschen sind Brüder. Also Vorsicht!

An diese Erkenntnis des Stuttgarter Aphoristikers Werner Mitsch fühlt man sich erinnert, wenn man an die Europa Hymne der Europäischen Union denkt und daran, wie die darin formulierte Maxime der Brüderlichkeit (bzw. Geschwisterlichkeit) in der realen Politik der EU zum Ausdruck gebracht wird.

Die Hohe Priester der Brüsseler Politik hatten zuletzt offenbar schon über einen längeren Zeitraum in ihrem Kupferkessel weitere Sanktionen gegen Belarus zusammengebraut und dabei erweist sich: man muss nur lange genug umrühren, dann wird die Suppe schon schmackhaft werden. So hat sich aus heiterem Himmel die Gelegenheit ergeben, diese Suppe auch kräftig austeilen zu können. Wie formulierte daraufhin der österreichische Bundespräsident auf Staatsbesuch in Berlin: „die letzten Beschlüsse bezüglich Belarus finde ich gut, dass es so schnell gegangen ist und ohne große Debatten…“. Ein Seufzer der Erleichterung. In Brüssel gilt es offenbar schon als Erfolg, wenn man sich zumindest bei Sanktionen gegen schwächere Staaten einig ist.

Im Vorfeld der Beschlüsse wurde in den Medien von Sanktionen gesprochen, die „Belarus wirklich treffen“ sollen und dass „die EU-Länder Belarus gemeinsam deutlich schaden können“. Ein Außenminister eines sehr  großen EU-Landes meinte, man dürfe sich jetzt nicht mit kleinen Sanktionsschritten zufrieden geben und wünschte sich eine richtig große Sanktionsspirale und ein Außenminister eines sehr kleinen EU-Landes offenbarte, natürlich koste das auch auf der eigenen Seite „ein wenig Opfer“, aber es müsse trotzdem so sein.

Aus der Beobachtung der Lage lässt sich schließen, dass sich viele Bürger in der Europäischen Union durch solche und ähnliche Aussagen von der EU-Polit- und Medienelite in keinster Weise mehr vertreten fühlen.

Bei Sanktionen geht es letztendlich nicht so sehr darum, wie viele Schäden man damit anrichten kann, was dabei viel wichtiger ist, ist die Botschaft bzw. die Erzählung, die man mit diesen Sanktionen in die Welt hinaus senden kann. Unser „Wir sind die Guten“ ist dabei weniger bedeutsam, als vielmehr die Erzählung: „Wir werden bedroht und wir wehren uns daher“. Diese angebliche „Bedrohung“ wird dann noch gesteigert zu einem: „Wir werden angegriffen und wir schlagen daher zurück“. Mit letzterer Behauptung begründet ein Aggressor dann auch oftmals seine Kriege („Seit fünf Uhr früh wird zurückgeschossen“).

Wenn wir den Subtext der Meldungen analysieren, die uns EU-Politik und ihre etablierte Medien über Russland und Belarus in den letzten 20 Jahren serviert haben, wird man in gefühlten 90% davon eine dieser beiden genannten Botschaften wiederfinden. Der Klassiker ist natürlich: „Russland bedroht unsere Werte“. Es geht dabei darum, an unsere Emotionen zu appellieren. Das erzählte Bedrohungsszenario soll beim Zuhörer bestimmte Reflexe auslösen.

Allerdings ist es nicht so einfach, eine Erzählung auch tatsächlich an die Frau zu bringen. Das Erzählen von guten Geschichten ist etwas komplexer, als das, was uns EU-Politik und ihre Medien bezüglich Russland und das „weißrussische Belarus“ anbieten und daher wagen wir hier einen vorsichtigen Blick durch den Türspalt des Metiers des sog. „Storytelling“.

Dieser Blick führt uns in archaische Gefilde und wenn wir dabei vor unserem geistigen Auge die alten Heldinnen und Helden auferstehen lassen, die in den Büchern, Märchen und Geschichten unserer Kindheit und Jugend eine Rolle gespielt haben, sind wir schon auf dem richtigen Weg.

Zunächst einmal ist aber zu bemerken, dass jede und jeder von uns in ihrem Leben vor allem eines machen: wir erzählen eine Geschichte über uns selbst. Mit jeder Bewegung, mit jedem Wort, mit jeder Handlung erzählen wir eine Geschichte über uns, die wir unserer Umwelt als glaubhaft und stimmig präsentieren möchten. So wie Paul Watzlawick gesagt hat, dass man nicht nicht kommunizieren könne, kann man auch nicht nicht eine Geschichte über sich erzählen.

Die meisten dieser Geschichten, die wir über uns erzählen, sind allerdings keine guten Geschichten, denn sie werden von unserem Ego diktiert, das seinen eigenen Spielregeln folgen möchte.

Wenn man aber eine wirklich erfolgreiche Geschichte erzählen möchte, muss man an die archaischen europäischen Überlieferungen anknüpfen, die ganz tief in uns abgespeichert sind und von uns als wahr anerkannt und erkannt werden. Diese Überlieferungen sind ein Kern des europäischen Kulturguts. Das Selbstverständnis, das der europäische Kontinent im Grunde genommen entwickelt hat, bzw. hätte, baut wesentlich auf diesen archaischen Wahrheiten auf.

Unsere moderne Kultur ist tatsächlich schwer damit beschäftigt, Geschichten über sich selbst zu erfinden und in diesen Bereich fallen auch, wie hier behauptet, die zahlreichen Sanktionen gegen unsere „Feinde“, die mittlerweile zum Lieblingsthema der Europäischen Union avanciert sind.

Die Industrie erzählt Geschichten über ihre Produkte, damit wir sie als Konsumenten nacherzählen. NGOs, politische Parteien und Interessensgruppen erfinden Geschichten über ihre Einmaligkeit und Unersetzbarkeit … wahrscheinlich dafür, dass der Spendenrubel rollt und politische Gebilde und Staaten entwickeln ebenfalls ihre eigenen Erzählungen, in denen sich die Bewohnerschaft als einig Volk wiedererkennen soll. Und nicht zuletzt: Hollywood und Co erzählen überhaupt die besten Geschichten.

Bei den Erzählungen, die mit den Sanktionen gegen Russland und Belarus verbunden sind, wird allerdings eine Methode angewandt, die in der Produktwerbung eigentlich verboten ist (oder war?), aber auch den wenigsten Marketingstrategen einfallen würde, nämlich Negativ-Aussagen über ein ganz bestimmtes Konkurrenzprodukt zu machen. Selbst in Wahlkämpfen geht man zunehmend von einer solchen Vorgangsweise ab. Darin liegt offenbar eine Marketing-Schwäche von EU-Politik und EU-Medien.

Die Europäische Union definiert de facto mit ihren Sanktionen ein Anderes, das Fremde, das, was draußen und nicht zugehörig ist und aus dieser Abgrenzung ergibt sich folglich eine Eigen-Definition. Wenn die Eigen-Definition allerdings dabei stehen bleibt, gerät sie ins Schwimmen, denn das Fremde wandelt sich und stellt dadurch zwangsläufig unsere Eigen-Definition in Frage. Daher muss die Definition des Fremden ständig auf einer immer höheren und eindeutigeren Ebene wiederholt werden, um die Eigen-Definition und das damit verbundene angedachte Machtgefälle sicherzustellen. Auf diese Weise kann man sich in einer Eskalationsspirale wunderbar selbst bestätigen und wird scheitern.

Die vielfältigen Bedeutungen, die sich rund um den Begriff Sanktion gruppieren, gehen letztendlich auf eine Wurzel zurück, die sich im lateinischen sanctus, also dem Heiligen wiederfindet. Die Europäische Union segnet die Sanktionen über Belarus ab und bestätigt sich damit selbst ihre Priesterschaft, die über die wahrhaft europäischen Werte und Haltungen wacht.

Allerdings: dieser Ansatz zur Selbsterklärung wird nicht wirklich aufgehen, denn auf archaischer Ebene hat die europäische Kultur (und nicht nur die) andere Geschichten abgespeichert und diese Geschichten vermag niemand zu brechen.

Unsere archaischen europäischen Geschichten und was Russland damit zu tun hat

Gute Geschichtenerzähler und Geschichtenerzählerinnen sind offenbar schon immer von bestimmten Erzähl-Konzepten ausgegangen, die allerdings erst in der relativen Gegenwart tatsächlich definiert worden sind:

Im Kern geht es um die 12 Archetypen von C. G. Jung, das Konzept der Heldenreise von Joseph Campbell und um den Golden Circle des Autors und Inspirationsredners Simon Sinek, der (Sinek) übrigens auch von der Denkfabrik Rand-Corporation geschätzt wird. Um die Pointe der Argumentation, nämlich was das mit Russland zu tun hat, erkennen zu können, tauchen wir zunächst ein wenig in die Basics des Erzählens von guten Geschichten ein:

  1. G. Jungs 12 Archetypen sind universale Urbilder oder Urfiguren, die mit bestimmten Emotionen, Eigenschaften und Zielen verbunden sind. Ein Archetyp stellt eine symbolische Figur dar, die durch sozialpsychologische Lernprozesse über die Abfolge von Generationen und Kulturen hinweg dieselben Emotionen und Assoziationen bei Menschen anspricht. Archetypen verbinden uns über die Jahrtausende hinweg mit ähnlichen Emotionen und Assoziationen. So verstehen wir eine archetypische Figur sofort, können ihr Handeln nachvollziehen und erkennen uns darin wieder.

Später haben Nachfolger von C. G. Jung diese 12 Archetypen auf vier männliche Grundtypen reduziert und das sind der Krieger, der König, der Weise/Magier/Prophet/Eremit und der Liebhaber. Theoretisch gäbe es auch vier weibliche Archetypen, doch ein solches Konzept hat sich anscheinend aufgrund der vorherrschenden gesellschaftlichen Strömungen noch nicht so richtig durchsetzen können – die Zeit dafür wird kommen. Was wir dabei im Hinterkopf behalten sollten, ist, dass die Zahl VIER für Stabilität steht. Diese Erfahrung haben schon alle gemacht, die sich auf einen guten Stuhl gesetzt haben.

Ein „ordentlicher Mann“ sollte im Laufe seines Lebens alle vier Arche-Grundtypen

( = Entwicklungsstadien) durchlaufen und zwar in dieser angegebenen Reihenfolge, sodass der Liebhaber sozusagen dem „Mann im Endstadium“ entsprechen würde. Außerdem schlägt der Autor vor, den Begriff des Liebhabers nicht allzu eng zu deuten, sondern diese Liebe als etwas Universelleres zu sehen. Der archetypische Liebhaber ist der reife Mann, der nicht nur die Frau(en) liebt, sondern das Leben, die Schöpfung an sich. Im praktischen Leben eines Mannes werden sich allerdings diese vier Grundtypen überschneiden und der Protagonist bildet schließlich einen Schwerpunkt auf eine dieser Figuren aus. Die beliebteste Figur, die sich Männer wohl selbst zuschreiben würden, wäre vermutlich der König.

Joseph Campbells Konzept der Heldenreise ist uns im Grunde genommen bestens bekannt, da Mythen, Märchen, Opern und Hollywood alle mit einem derartigen Konzept arbeiten. Campbell hat versucht, anhand solcher Überlieferungen die einzelnen Wegabschnitte einer Heldenreise zu definieren und so eine Orientierung für den Ablauf der Reise zu schaffen. Konkret variieren die jeweiligen Heldenreisen auf vielfältige Art und Weise, bestimmte Wegpunkte werden aber immer passiert. Der Held (oder die Heldin) taucht in eine ihm unbekannte Welt ein, muss darin eine Vielzahl von Abenteuern gegen eine dunkle Kraft bestehen, wobei ihm gute Mächte zur Seite stehen, erlebt am Höhepunkt der Reise eine grundlegende Verwandlung seiner selbst und kehrt derart erneuert wieder in seine alte Welt zurück. Diese bekommt in der Folge aus dieser neuen Energie des Helden Impulse zur eigenen Veränderung. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann ist alles besser geworden…

In der Heldenreise erkennen wir uns auch deshalb leicht wieder, weil sich darin gleichsam unser eigener Lebensweg widerspiegelt. Wir neigen daher dazu, auch unsere eigene Lebensgeschichte nach diesem Muster zu erzählen.

Auf den oben erwähnten Autor Sinek kommen wir unten noch zu sprechen.

Gut erzählte Geschichten verwenden also die beiden hier vorgestellten Muster.  In zwei modernen „Sagen“ können wir diese Muster leicht erkennen:

In Asterix und Obelix etwa, wo das Personal deutlich am Schema der vier männlichen Archetypen ausgerichtet ist – Krieger, König, Magier/Weise, Liebhaber. Der Krieger Asterix geht mit seiner Schattenfigur – Obelix –  auf die Reise, bekommt dabei von König Majestix und Magier Miraculix Segen und Unterstützung und der Liebhaber, so interpretiert es der Autor, ist im Troubadour zu finden.

Einschlägige Forscher glauben, dass sich Gesang und Dichtung ursprünglich dadurch entwickelt haben, dass Männer, die die üblichen Partnerwahlkriterien der Frauen nicht erfüllen konnten (Gene, sozialer Status), mit Gesang, Dichtung und Witz auf sich aufmerksam gemacht haben. Der Minnesang wäre dann eine kultivierte – gezähmte – Form dieses intelligenten Werbeverhaltens der Männer.

In James Bond ist das angesprochene Schema schon etwas schwerer erkennbar. Der Krieger Bond hat aber auch hier einen König, nämlich den Chef des Geheimdienstes M, das Äquivalent zum Magier Miraculix ist Q, der seinen „Zaubertrank“ auf Basis besonderer technischer Kampfmittel herstellt und der Liebhaber ist Bond selbst.

Die höchste Form der Heldenreise ist wohl in der Verwandlung des Kriegers zum Liebhaber zu sehen. So darf Bond George Lazenby am Schluss der Bondausgabe Nr. 6 Im Geheimdienst Ihrer Majestät (1969) die „schöne Prinzessin“ aus den Klauen des Bösen befreien und sie heiraten.

Man könnte meinen, dass Asterix und Bond nur Geschichten darstellen, die sich an Buben und junge Männer richten. Doch es zeigt sich, dass solche Geschichten geschlechterübergreifend und in beschränkterem Maße auch altersübergreifend wirken. Das kann man als ein gesellschaftliches Bedürfnis interpretieren, sich der in diesen Geschichten zum Ausdruck kommenden archaischen Denk- und Handlungsmuster zu versichern.

Natürlich kommen diese Muster von Archetypen und Heldenreise nicht nur in diesen und anderen „großen“ Geschichten (Star Wars etc.) vor, bei genauerem Hinsehen, kann man Elemente dieser Muster in manch harmlosen Unterhaltungsfilm und anderen Formaten dieser Art wiedererkennen.

Jetzt zur Pointe: Was bedeuten diese Erkenntnisse in Bezug auf Russland und sein Gegenbild in Gestalt der Europäischen Union.

In Russland ist dieses archaische Personalschema auf kollektiver Ebene klar wiedererkennbar, während sich dieses in EU-Europa in Auflösung befindet. Das löst anscheinend bei so manchem EU-Bürger das Gefühl aus, nicht mehr in der richtigen Welt zu leben.

Russlands Präsident Putin und die „Ritter seiner Tafelrunde“ haben dieses beschriebene (ureuropäische) Personalschema als kollektive Erfahrung wieder errichtet:

Wer in dieser kollektiven Erfahrung der Archetypen in Russland den König spielt, muss nicht extra erwähnt werden. Der Krieger wird in der Wiederherstellung einer schlagkräftigen und von der Bevölkerung anerkannten Armee sichtbar. Die Figur des Magiers/Weisen erscheint in der Auferstehung und Einbeziehung der Orthodoxen Kirche als genuiner Teil der russischen Geschichte und Kultur – wobei es hier nicht darauf ankommt, ob jemand persönlich gläubig ist oder nicht. Und der Liebhaber?

Der Autor erkennt den Liebhaber in der Person des Schriftstellers oder der Dichterin (bzw. des Komponisten, Liedermachers). Auch wenn die Bedeutung des zeitgenössischen Schriftstellers (oder auch Filmemachers) in der Nach-Sowjetära stark geschrumpft ist, Russland hat auf diesem Gebiet seine unsterblichen Heldinnen und Helden, auf die sich immer zurückgreifen lässt.

Zar-Präsident plus Armee plus Orthodoxie plus Schriftsteller ist gleich Russland?

Der sog. Wertekonflikt zwischen der Europäischen Union und Russland könnte mit diesem Schema, bzw. seiner Auflösung innerhalb der EU in Zusammenhang stehen.

Was eine mögliche Heldenreise angeht, die Russland als Staat und Gesellschaft in den letzten 100 Jahren gemacht hat, waren wahrscheinlich die Erfahrungen der Kriegsteilnehmer im Zweiten Weltkrieg eine Heldenreise, aus denen eine kollektive Erfahrung erwachsen ist. Kann man aber den Verlauf der Geschichte Russlands im 20. und 21. Jahrhundert an sich als Heldenreise interpretieren, mit Stalinismus und dem Überfall durch Nazi-Deutschland als Kern dieser Geschichte?

Wenn ja, dann würden wir gerade die Rückkehr des Helden (Russland) in die alte Welt erleben, die sich – so will es ein positives Erzähl-Schema – durch diese Rückkehr zu einem Besseren verändert. Mit einer sehr speziellen Heldenreise, die die EU und Russland eben erst beschäftigt hat, beschließen wir gleich unten unsere Überlegungen.

Zuvor kommen wir aber noch kurz auf den oben erwähnten Autor und Redner Simon Sinek zurück. Sinek sagt, dass Personen, Institutionen oder Firmen etc. oft deswegen nicht erfolgreich sind, weil sie ihre Geschichte falsch erzählen. Die Meisten würden nur darüber erzählen, was sie machen und wie sie es machen. Das interessiere aber niemanden. Die wirklich Erfolgreichen erzählen dagegen immer, warum sie etwas machen und zwar in dieser Reihenfolge: Warum – Wie – Was. Das Warum (= Emotion) weist dabei immer über den Protagonisten selbst hinaus und möchte die Welt verbessern. Die Welt zu verbessern, ist allein allerdings kein Argument, das muss schon spezifischer formuliert werden.

Russland hat kein Problem damit, in der momentanen Lage der Welt für sein Selbstverständnis ein Warum zu finden. Es ergibt sich aus seinen historischen Erfahrungen und seinem Glauben an die Zukunft der nächsten Generationen. Dagegen ist die Erzählung der Europäischen Union, dass Russland unsere Werte bedrohe und wir uns dagegen wehren müssten, eine Geschichte mit der kaum ein Warum begründet werden kann.

Jetzt aber zum brandaktuellen Fall einer Heldenreise, wie sie uns erst kürzlich von der EU und ihren etablierten Medien in Bezug auf Russland erzählt worden ist. Wir rekapitulieren hier kurz diese richtig aufregende, moderne Heldengeschichte. Ähnlichkeiten mit Namen und Begebenheiten rund um real existierende Personen etc. sind natürlich rein zufällig und vom Autor nicht beabsichtigt:

  1. Schritt: Eine Heldenreise beginnt immer damit, dass der Held von Außen einen Anstoß dazu bekommt, aufzubrechen, um in der normalen Welt etwas zum Besseren zu wenden. Der Held begibt sich daraufhin in eine ihm unbekannte, dunkle Welt, in der gefährliche oder auch böse Kräfte das Sagen haben, aber gleichzeitig stehen ihm dabei immer gute Mächte hilfreich zur Seite:

In unserer aktuellen Heldenreise bekommt unser Held zunächst den Anstoß, die Korruption der Mächtigen in seinem Lande zu bekämpfen. Böse Kräfte hindern in aber daran, durch eine – so will es die Erzählung –  Vergiftung des Helden. Daraufhin verliert unser Held das Bewusstsein und taucht in die Welt des Unbewussten ab oder sogar in noch tiefer gelegene Sphären. Dort erscheinen ihm jedoch bald helfende Gestalten: z. B. eine Bundeskanzlerin und eine Klinik namens Karitá (oder so ähnlich?).

  1. Schritt: Auf jeden Fall erbeutet der Held auf seiner Heldenreise auf dem Höhe- und Umkehrpunkt der Reise einen Schatz (oder manchmal sogar ein „Schätzchen“), erlebt symbolisch Tod und Wiedergeburt und kehrt dann mit diesem Schatz unter Schwierigkeiten (bei denen wieder die guten Mächte weiterhelfen) in seine alte Welt zurück:

Unser aktueller Held erwacht also aus seinem künstlichen Tiefschlaf, nimmt seinen erbeuteten Schatz – ein Video, das die angebliche Korruption des angeblich bösen Königs seines Landes zum Inhalt hat – und kehrt damit in seine alte Welt zurück.

Doch was dann kommt, ist einfach nur unglaublich – zumindest aus der Sicht der EU-Politiker und EU-Medien: Unser Held wird von den Schergen des angeblich bösen Königs verhaftet und in den Kerker geworfen, wo er jetzt bei Wasser und Brot schmachtet.

In einer klassischen Heldenreise ist so ein Ende aber nicht vorgesehen. Im 3. Schritt verändert nämlich der Held die alte Welt, in die er zurückgekehrt ist, zum Besseren.

Wieso wurde unser gegenwärtiger Held dennoch festgenommen? Diese Frage ist ganz einfach zu beantworten: ein Held durchlebt auf seinem Weg durch die dunkle Seite der Welt eine grundlegende Verwandlung, die in dem erwähnten symbolischen Tod mit der Wiedergeburt zum Ausdruck kommt. Wenn ein zurückkehrender Held aber keine Verwandlung seiner selbst erkennen lässt, ist er – um es positiv auszudrücken – für die Gemeinschaft in der alten Welt nutzlos geworden.                                                                                    

COMMENTS

WORDPRESS: 15
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    Horst Beger 2 Monaten

    Da diskutieren zwei erwachsene Intellektuelle in 12 langatmigen Folgen am Thema vorbei die Frage, wer oder was „die Linke“ sei oder nicht sei und wolle oder nicht wolle, ohne zu einem Ergebnis zu kommen. Die Frage, ob Russland die besseren Geschichten erzählt, wird so indirekt beantwortet.

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    TH. Bund 2 Monaten

    Hallo Herr Jütte,
    Herrn Rutte (ich schrieb fälschlicher Weise Rütte) ist der niederländische Ministerpräsident, der nach dem deutsch-französischen Versuch eines EU-Gesprächsangebotes an Herrn P. in M. klar und deutlich formulierte „…mit Herrn Putin setze ich mich nicht an einen Tisch…“. In Anwendung Ihres starken Spruches „…wer nicht redet, will Krieg“, würde das bedeuten, dass Herr Rutte -ebenso wie ein Großteil der EU-Staaten- Krieg haben will.
    Ob Premier Rutte mit seiner Absage an die herrschende russische Patriotismus-Elite nun „fehl an seinem Platze“ ist, bleibt Ihrem Urteil überlassen.

    Zu meiner (spöttischen) Fragestellung, ob es die deutsche Linke nicht anders könne – nicht mehr als ein 2.792-Worte-Epos mit dem Ergebnis „Nawalny-ist Scheiße“ und ein „sich Erbrechen“ (in Hofberichterstattung) hatten Sie die Gegenfrage, „welche Linke“ ich denn nun meine. Und Sie rammten (vorsorglich) Ihre Pflöcke ein mit dem vorauseilenden Verdikt „… meinen Sie die Partei „die Linke“, die keine einheitliche Russlandpolitik vertritt, die Linke im allgemeinen, die Russland eher sehr skeptisch gegenübersteht, die SPD, die sich auch in Teilen noch als links bezeichnet, oder sogar sehr abenteuerlich die Grünen, die auch von Einigen immer noch als links bezeichnet wird…“.
    Kann man ja machen, allerdings: Sie schwingen sich damit zum Obersten Beurteiler der „richtigen“, der halb-, viertel-, achtel- oder „sehr abenteuerlichen“ Linken (Sie meinten damit die Grünen) auf, stecken praktisch „alle links von CDU/CSU + FDP“ stehenden Kräfte damit in die (Ihre?) „russlandfeindliche Schublade“ und – es bleibt keine andere (parlamentarische) „richtige linke Kraft“ mehr übrig.
    Wenn Sie das so sehen…

    Und Ihre Frage in der letzten Zuschrift mit „…Was soll denn nun die „Linke“ Ihrer Meinung nach anders machen?…“
    Dazu wäre aus unserem Diskurs festzuhalten, dass
    • Sie nach Hinweis auf Ihren Negativ-Kontext zu den „Russland überzustülpenden westlichen Werten“ sich beeilen festzustellen, dass Sie westliche Werte (undefiniert) keineswegs für falsch finden
    • nach dem Hinweis auf flächendeckende Gesichtserkennung jetzt auch Sie dagegen sind – also die speziell bei Demos zugunsten eines Herrn Nawalny intensiv angewandt wird (jetzt, vor den Wahlen, welch ein Zufall)
    • nach namentlichen Beispielen dagegen sind, Gefangene schlecht zu behandeln und zu foltern – bedeutet im Umkehrschluss: Beides ist doch der Normalfall
    • Sie erst nach Hinweis (Inozemzew) bemerken, dass „… im Moment dabei Russland immer stärker in einen rückwärtsgewandten Staat umzuwandeln…“, plus einem „…würde ich vermuten, dass der Übergang zu einem neuen autoritären Staat in Russland bereits stattgefunden hat…“
    • Sie erst nach Hinweis es „… schade finden, dass Russland Entscheidungen von internationalen Gerichtshöfen nur anerkennt, wenn diese Entscheidungen nicht gegen russisches Recht verstoßen…“

    Was würde nun „passieren“, wenn die deutsche Linke angesichts dieser -auch von Ihnen benannten- „Schwachstellen“ den dafür in Russland Verantwortlichen klar und deutlich sagten, dass politische Ziele immer durch ethische Kriterien bewertet werden (die variabel sein können), doch dass Diskussionen über (Menschenrechts-)„Träumerei“ die notwendigen Diskussionen über „Richtig“ und „Falsch“ nicht ersetzen.
    Was wäre denn passieren, wenn ein sehr beredter Anwalt seine selbst gestellte Frage „…halten Sie Putin für wirklich so blöde, dass er….“ auch selbst beantwortet hätte? So angesichts des Telefongespräches des Herren P. aus M. mit seinem Präsidentenkollegen M. in P. und der dabei geäußerten P‘schen Vermutung, dass Herr N. im Flugzeug über der Stadt O. im Lande R. sich wohl selbst vergiftet haben könnte („Monsieur le President, da ist was in die Hose gegangen…“). Warum fehlte da der Mut, die Statur, mit einem einfachen JA zu antworten?

    So verbleibt halt nur diese jammervolle Verdruckstheit, dieses „sich Erbrechen“, welches mangels Freiheit im Kopf nur zu dem „Nawalny-ist-Scheiße“ und „…wer nicht redet, will Krieg“ fähig ist.
    Trockenübungen in mutlos-emsigem Stillstand, was nicht von der Selbsteinschätzung als „fortschrittliche Bewegung“ abhält.

    Nein Herr Jütte, auch die „richtig-wahrhaftige“ deutsche Linke kann es nicht anders…

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      Ja, Herr Rutte ist in meinen Augen, wenn er das so gesagt hat, als Politiker nicht tragbar. Wer grundsätzlich einen Dialog, mit wem auch immer ablehnt, hat in der Politik nichts zu suchen.

      Sie haben als Linke alles links von CDU/CSU FDP bezeichnet. Aus dieser Aussage von Ihnen, kam natürlich die Frage, was soll die Linke denn anderes machen.

      Sie nach Hinweis auf Ihren Negativ-Kontext zu den „Russland überzustülpenden westlichen Werten“ sich beeilen festzustellen, dass Sie westliche Werte (undefiniert) keineswegs für falsch finden
      Der Großteil der von Ihnen bezeichneten Linken (links von CDU/CSU FDP) steht stramm hinter westlichen und transatlantischen Werten (undefiniert). Sind also auf Ihrer Linie. Und ja, es gibt etliche westliche Werte, die sich nicht einfach auf eine andere Kultur überstülpen lassen. Das haben ja sogar auf einmal im Afghanistankrieg US-Millitärs festgestellt. Zitat vom ehemaligen US-Verteidigungsminister Chuck Hagel zum US-Militäreinsatz in Afghanistan „Wir haben die Kultur nie verstanden, wir haben die Religion nie verstanden, das Stammesdenken, die Geschichte. Man ist zum Scheitern verurteilt, wenn man das nicht versteht. Und wenn man 20 Jahre lang als Besatzungsmacht an einem Ort bleibt, werden die Dinge nicht gut ausgehen, weil man am Ende von vielen Menschen als Besatzer angesehen werde. Ich glaube, wir sind vom Weg abgekommen und haben nicht wirklich verstanden, was wir da machen.“

      nach dem Hinweis auf flächendeckende Gesichtserkennung jetzt auch Sie dagegen sind – also die speziell bei Demos zugunsten eines Herrn Nawalny intensiv angewandt wird (jetzt, vor den Wahlen, welch ein Zufall)
      Ich war nicht nur auch „JETZT“, ich war immer gegen flächendeckende Gesichtserkennung. Das schon seit den 70er Jahren, als in Hannover die ersten Kameras zu Demoüberwachung eingeführt wurden.
      Auch die von Ihnen bezeichneten Linken (links von CDU/CSU FDP) sind gegen eine flächendeckende Gesichtserkennung. Sind also auf Ihrer Linie. Die Befürworter finden Sie eher im konservativen Lager.

      nach namentlichen Beispielen dagegen sind, Gefangene schlecht zu behandeln und zu foltern – bedeutet im Umkehrschluss: Beides ist doch der Normalfall.
      Ich war immer gegen Folter und einer schlechten Behandlung von Gefangenen. Das schon seit den 70er Jahren als die RAF-Gefangenen in Isolationshaft (von Amnesty Int. festgestellt) gehalten wurden. Auch die von Ihnen bezeichneten Linken (links von CDU/CSU FDP) sind gegen Folter und schlechter Behandlung von Gefangenen. Sind also auf Ihrer Linie. Folter und schlechte behandlung von Gefangenen finden Sie doch eher im konservativen politischen Lager.

      Sie erst nach Hinweis (Inozemzew) bemerken, dass „… im Moment dabei Russland immer stärker in einen rückwärtsgewandten Staat umzuwandeln…“, plus einem „…würde ich vermuten, dass der Übergang zu einem neuen autoritären Staat in Russland bereits stattgefunden hat…“
      Die Meinung, dass Russland sich zu einem rückwärtsgewandten Staat entwickelt habe ich lange vor Ihrem Hinweis vertreten. Frühzeitig habe ich vor dem zunehmenden Einfluß der Kirche und der Monarchisten gewarnt, da war von Ihnen noch nichts zu lesen. Auch die von Ihnen bezeichneten Linken (links von CDU/CSU FDP) prangern seit langer Zeit den immer stärkeren Konservatismus in Russland an. Sind also auf Ihrer Linie.

      Sie erst nach Hinweis es „… schade finden, dass Russland Entscheidungen von internationalen Gerichtshöfen nur anerkennt, wenn diese Entscheidungen nicht gegen russisches Recht verstoßen…“
      Auch das bedurfte nicht Ihres Hinweises. Bereits lange bevor Sie sich irgendwie hier zu Wort meldeten habe ich mich dagegen ausgesprochen, dass die Verfassung in dieser Richtung geändert wurde. Auch die von Ihnen bezeichneten Linken (links von CDU/CSU FDP) waren gegen diese Verfassungsänderung. Sind also auf Ihrer Linie.

      Und auch nun noch einmal. Da Sie immer wieder Nawalny hier ins Spiel bringen. Ich habe weder den von Ihnen genannten Beitrag geschrieben, noch mich zu Nawalny geäußert. Irgendwie scheinen Sie da ein Problem zu haben und legen anderen anscheinend immer gerne was in den Mund, was die nie gesagt haben.

      Nein Herr Jütte, auch die „richtig-wahrhaftige“ deutsche Linke kann es nicht anders…
      Wie wir ja oben jetzt gesehen haben, ist die von Ihnen bezeichnete Linke (links von CDU/CSU FDP) doch voll auf Ihrer Linie.

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    Th. Bund 3 Monaten

    Hallo Herr Jütte,

    ich versuche es der Reihe nach:
    1.) Zitat: „Seit dreißig Jahren versucht die Europäische Union, Russland ihren Wertekanon überzustülpen“ – und Ihre Antwort mit „…Ein einfaches Beispiel sind unterschiedliche Moralvorstellungen, die dahin münden, dass in Russland keine Werbung für Homosexualität gemacht werden darf…“.
    Wenn der „überzustülpende Wertekanon“ Ihrer hier zu Papier gebrachten Meinung nach „nur“ die LGBTQ-Richtung und sonst keinerlei Sinnfällig-Essentielles mehr beinhaltet, dann würde es sich in der Tat um einen recht armseligen „Wertekanon“ handeln, der eines „Überstülpens“ nicht wert wäre.
    In meinem Weltbild gibt es jedoch wesentlich mehr „der Umsetzung werte“ Elemente als es Ihre Antwort vermuten lässt.

    2.) Zitat: „Nach drei Jahrzehnten ist das Verhältnis EU-Russland an einem absoluten Tiefpunkt angelangt“ – ein Textbaustein…
    Das ist eben der entscheidende Unterschied zwischen unseren Auffassungen: Ich versuche, solche (Allerwelts-)Textbausteine im Zusammenhang mit dem umgebenden Text zu lesen, welche Richtung wird mit diesem -an sich nicht „falschen“- Begriff verfolgt. Ist es ein erläuternder Ausdruck oder soll hier ein „Axiom“ auf den Tisch gedonnert und mit dem Glanz eines unwiderlegbaren „Beweises“ für die vom Schreiber eingeschlagene Richtung erzeugt werden?

    3.) Zitat: „In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte und Ihre Antwort mit dem „…in Ihrem von Vorurteilen geprägten Versuch meinen Kommentar zu lesen…“
    Natürlich steht es Ihnen frei, jetzt etwas von „…in Ihrem von Vorurteilen geprägten Versuch meinen Kommentar zu lesen…“ zu schreiben.
    Doch hilft es auch hier nicht weiter, denn: Es geht auch hier wieder um Ihren Kontext, in dem Sie das Bahr’sche Wort bringen – in Relativierungsabsicht der Begriffe „Demokratie“ und „Menschenrechte“. Und wenn Sie diesen Kontext pflegen -z.B. auch im nachfolgendem Punkt- dann könnte diese „spezielle Pflege“ als solche angesprochen werden. „Benennen“ heißt das.

    4.) Zitat: Was wunderbar passt zum Punkt „…die vom Westen in Russland hofierten liberalen Demokraten und Oppositionellen“ inkl. Ihrer Antwort.
    Ich lese von einer mehr oder minder putschartig operierenden „Putin-Partei“, die durch Demokraten und Oppositionelle in ihrer Manipulation des Abstimmungsprozesses nicht gestoppt oder gehindert wird, sich dann schnell „Schulter an Schulter“ mit eben dieser „putschenden“ (Regierungs-)Partei findet. (So blöde sind die halt, diese Demokraten).
    Löst natürlich die Frage aus, ob die „…vom Westen in Russland hofierten liberalen Demokraten und Oppositionellen…“ es einfach nicht können (wie Sie nicht ganz zu Unrecht in diesem Fall bemerken) oder die den Putsch Auslösenden, die da sagen, „…dass Russland nicht bereit für demokratische Entscheidungen ist…“ die Schwachen im Geiste sind… (oder nur „neu-patriotisch“).

    5.) Zitat: „Und zum dritten Mal das konkrete „…Wir sollten damit aufhören, Russland westliche Werte zu überstülpen versuchen…“ und Ihr „…Ich halte das Rauswerfen der NGOs und das Aussetzen der Gespräche von deutscher Seite von beiden Seiten für falsch. Ich habe mich gerade in diesem Satz auf keine Seite gestellt“.
    OK, Ihre letzten beiden Aussagen akzeptiert.

    6.) Zitat: „Fazit aus diesem Sprachgebrauch: Eine sytematische Anwenden dieses „westliche Werte überstülpen“ als absichtsvolle Diffamierung der Werte als solche und Ihr „…Ich halte die westlichen Werte keinesfalls für falsch und das anschließende „…. Zu Navalny habe ich nichts gesagt oder geschrieben…“
    (Schmunzel, schmunzel…), westliche Werte keineswegs falsch, habe das nie gesagt, zu Nawalny nie nix gesagt und geschrieben.
    So, und damit ist dieses „Überstülpen westlicher Werte“ mit / in seiner Negativ-Konnotierung und -verwendung ganz plötzlich und wundersam in eine heilsspendende Monstranz übergegangen, die Sie fleißig vor sich hertragen ohne dass „geneigte“ LeserInnen das nicht bemerken (sollen).
    Und JA, über Nawalny haben Sie nie nix gesagt, NEIN, das stimmt….
    Hat so etwas von einer Gopnik-Diskussion (https://echo.msk.ru/blog/mmironov/2707689-echo/)

    7.) Zitat: „Westliche Werte, EU-Werte scheinen also „gefährlich“ zu sein, sie liegen bestimmten Menschen buchstäblich im Magen…“.
    Mein Kommentar zu Ihrer Antwort:
    OK, jetzt nähern wir uns in unseren Ansichten und dem von mir verwendeten Ausdruck „zorniger Rundumschlag“ gegen die vielen, meiner Auffassung nach hofberichtsartigen Kommentierungen auf dieser Plattform; nicht nur auf dieser Plattform, sondern in den allermeisten Statements der deutschen Linken, was mich zur (zornigen) Frage führt: Können es die Linken nicht anders?

    8.) Zitat: „Daher würde ich vermuten, dass der Übergang zu einem neuen autoritären Staat in Russland bereits stattgefunden hat…“.
    Siehe vorige Bemerkung

    9.) Zitat: „…Das alles soll mit der „Überstülpen-westlicher-Werte-Beschimpfung“ überdeckt, übertönt, schöngeredet, versteckt werden…“.
    Auch hier: „…dass Türen für Gespräche offen gehalten werden müssen…“, da gehe ich mit. Nur muss ein Gespräch außerhalb der (meiner Meinung nach dümmlichen) Lawrow-Rhetorik, dem verbalen Eier-Treten einer Maria Sach-arowa, dem senilen Prochanow-Sprech und dem „erlauchten Geist“ der Historik-Versuche der Herren P + P durch offene Ansprache eben dieses Sprachgebrauches und „dessen Geistes“ erst einmal möglich werden.
    Das mit dem „…Schaum vor dem Mund und Blödsinn…“ zum „…Das alles soll mit der „Überstülpen-westlicher-Werte-Beschimpfung“ überdeckt, übertönt, schöngeredet, versteckt werden…“, nun, das rücke ich -bei durchaus vorhandener Annäherung im Kleinen- vorerst mal in die Nähe einer RT-Kommentierung.

    Fazit:
    Habe vor Kurzem in einer Schrift von Peter Scholl-Latour etwas über Richard von Weizsäcker und seine Rede zum 08. Mai 1985 gelesen. Nach meinem Weltbild hatte da ein „eigentlich Konservativer“ den Mut, einem bis dahin meist als Niederlage empfundenes Datum einen anderen, einen aus- und aufbaufähigen Sinn zu geben.
    Wie wäre es, wenn die deutsche Linke den Mut zur offenen Ansprache hätte und nicht so verdruckst im Stil eines „…ER und Zargrad sind im Moment dabei…“ herum zu eiern. Klingt so nach Harry Potter und „…ER, dessen Name nicht genannt werden darf…“.
    Also: Das geflissentliche Überlesen / Beiseiteschieben von Knackpunkten, der „willige Kontext der Zerstörung“ ist das Verhindernde. Dabei bleibe ich.
    Und ich warte auf die Gestalt der deutschen Linken, die nicht gewillt ist, nach dem Spruch zu handeln: „…ich bin unschuldig, es lebe die Partei…“ (und ab in den geistigen Gulag).
    Bekenntnisse zu Willy Brandt hin oder her, die lösen diesen Widerspruch, dieses gewollte Niedermachen, dieses Zerreden von Werten für den Selbstzweck nicht auf. Jedenfalls so nicht.
    Deshalb noch einmal: Kann es die deutsche Linke nicht anders?

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      zu 1.) Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Ich hatte geschrieben „Beispiel“. Sie wissen, was das bedeutet?
      zu 2.) Selbstverständlich bin auch ich der Meinung, dass das Verhältnis EU-Russland auf einem Tiefpunkt angelangt ist. Das ist ja nun erstmal unabhängig, welche Seite man dafür verantwortlich macht. Wenn Sie der Meinung sind, das Verhältnis ist prima, dann leben wir vielleicht in unterschiedlichen Welten.

      zu 3.) Dazu stehe ich, dass es im Verhältnis zwischen den Staaten nur vordergründig um Menschenrechte geht. Ich stehe dazu, dass es im Verhältnis zwischen Staaten darum geht eigene Interessen durchzusetzen und da sind an erster Stelle lediglich wirtschaftliche. Alles andere wäre Träumerei.
      Zu 4.) In der Diskussion, warum die liberalen Demokraten in Tarussa mit den Monarchisten und ER zusammenarbeiten, kam genau das, dass die Russen noch nicht für eine richtige Demokratie bereit oder fähig sind. Ist nicht meine Interpretation, denn ich hatte denen gesagt, nach 30 Jahren sollten sie das aber.
      Zu 6.) Ich sage nichts zu Nawalny, weil das mit meinem Kommentar nichts zu tun hat. Und ja, ich habe auch Probleme mit westlichen Werten. Z.B. dem Vatikan, der Kirche etc.
      Zu 7.) welche Linke meinen Sie eigentlich?
      Zu 8.) hatte ich nicht bestritten, dass Russland den Weg in einen autoritären Staat geht und teilweise schon gemacht hat.
      Zu 9.) Die Aussagen von einigen westlichen Politikern und auch vom deutschen Außenminister sind zwar nicht so hart wie von der russischen Seite, aber auch nicht besser. Und auch, wenn einem der Andere vor das Schiebenbein tritt, dann muss man trotzdem weiter die Türen offenhalten und immer wieder den Dialog suchen. Wer nicht mehr redet will Krieg. Ferner gehört dazu, unterschiedliche Entwicklungen in Moralvorstellungen zu akzeptieren.
      Zu Fazit: Also ich dachte, Sie wüssten das ER die geläufige Abkürzung für Edinaja Russia ist. Ich wusste nicht, dass Ihr Wissen über russische Politik doch so begrenzt ist.
      Und auch hier noch einmal. Welche Linke?

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        Günter Guttsche 3 Monaten

        Danke, Herr Jütte. Klare Ansage!

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        Th.Bund 2 Monaten

        Hallo Herr Jütte,
        war etwas unterwegs, deshalb hat sich meine Antwort auf Ihre Zuschrift verspätet.
        Was hatten wir als Ausgangspunkt unseres „Briefwechsels“:
        Ein -wie ich es nenne- 2.792-Worte-Epos mit dem Resultat „Nawalny ist Scheiße“ und mein -wie Sie es nennen- „unkonkreter unsachlicher Rundumschlag“ mit der Frage „Kann es die deutsche Linke wirklich nicht anders?“. Da-mit ist auch Ihre rhetorische Frage „…Welche Linke?…“ beantwortet.
        Was lässt sich aus Ihren Erwiderungen nun „festhalten“:
        Zum Stichwort „Werte“ – Sie bringen ein Beispiel für „überzustülpende“ Werte und leiten nach meiner Kritik an Ihrer ausgewählten Einseitigkeit mit dem (entschuldigenden) Wort „ein Beispiel“ die Frage ab „..Sie wissen, was das bedeutet?“. Ja, ich verstehe darunter Ihre Absicht, alles, was sich mit dem Begriff „Rechtssicherheit“ verbindet, im Zusammenhang mit der herrschenden Silowiki-Elite Russlands tunlichst (und beflissen) zu umschiffen. Weil die Überprüfung der „neuen russischen Justiz“ ein verheerendes Ergebnis mit sich brächte.
        Zum Stichwort „Menschenrechte“ – Sie sprechen von Ihrer Einstellung „…auch ich bin gegen flächendeckende Ge-sichtserkennung, bin dagegen, das Gefangene schlecht behandelt werden und gefoltert werden…“. Gibt es denn ein „besseres“ Eingeständnis der (Rechts-)Zustände in dem heutigen „Silowiki-Russland“?
        Alle diese geistigen Verrenkungen um das Thema Nawalny – dem Ausgangspunkt unseres Meinungsaustausches- all diese Fluchten in Form anklagender Sturzflut von belanglosen Floskeln nach dem Motto „…jaaa, aber…“ über-zeugen nicht, klingen in ihrer Beliebigkeit einfach nur hohl, könnten aus Arthur Koestlers „Sonnenfinsternis“ stam-men.
        Und letztendlich Ihr „Wer nicht redet, will Krieg“: In Ihren Augen vielleicht ein starker Satz, in meinen ein unüber-legter. Denn mir wem soll geredet werden, wenn die herrschende Elite des neuen, anderen, patriotischen Russ-lands die Institutionen EuGH und EGMR nicht anerkennt (siehe Nawalny) und als „Abwehr“ eine übergeordnet-national-patriotischen Gerichtsbarkeit schafft? Und jetzt, ungeachtet dieses protzig verkündeten (juristischen) „Selbstbewusstseins“ genau diese so fleißig diskreditierte Gerichtsbarkeit im Fall Ukraine anruft?
        Kann man sich und seine eigenen Aussagen noch mehr entwerten, geht es noch durchsichtiger (oder dümmer)?
        Und mit denen nicht reden wollen, das ist „Wille zum Krieg“?
        Nein, Herr Jütte, nicht nur dieses Satzes wegen bleibe ich bei meinem „…die deutsche Linke kann es nicht an-ders…“.
        Schade.

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          Nein, meine Frage „welche Linke“ ist nicht beantwortet. Meinen Sie die Partei „die Linke“, die keine einheitliche Russlandpolitik vertritt, die Linke im allgemeinen, die Russland eher sehr skeptisch gegenübersteht, die SPD, die sich auch in Teilen noch als links bezeichnet, oder sogar sehr abenteuerlich die Grünen, die auch von Einigen immer noch als links bezeichnet wird. Kommt immer darauf an, wie weit rechts man steht.

          Darum noch einmal, WELCHE LINKE.

          Und ja, auch ich finde es schade, dass Russland Entscheidungen von internationalen Gerichtshöfen nur anerkennt, wenn diese Entscheidungen nicht gegen russisches Recht verstoßen. Das ist das Problem, wenn der „Führer“ der demokratischen Welt, die USA, das für sich auch in Anspruch nehmen und internationale Gerichte nicht anerkennen.
          Wer einmal die Büchse der Pandora aufmacht, kann sich hinterher nicht beschweren.

          „Wer nicht redet, will Krieg“, ist ein starker Satz. Nicht einmal haben Sprachlosigkeit und Sanktionen zu einer Veränderung geführt. Aber Dialogbereitschaft schon. Darum auch hier nochmal, „Wandel durch Annäherung“ ein Wort von „Linken“ aus der Sicht von FJ Strauß.

          Also, welche deutsche „Linke“.

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            Th. Bund 2 Monaten

            Hallo Herr Jütte,
            auch wenn es jetzt despektierlich klingen mag – „noch einmal“ zitiert aus meiner letzten Zuschrift „…Kann es die deutsche Linke wirklich nicht anders?“. Für meine Begriffe ist das deutlich, nämlich links von CDU/CSU und FDP.
            Was mir prinzipiell auch völlig schnuppe ist, ob halb-, viertel-, achtel- oder ganz links.
            Es sei denn, es soll jetzt die Maschinerie des „Auseinandernehmens“ angeworfen werden, indem bei einer zitierten Person X, die mal Y statt Z gesagt hat, gründlichst recherchiert und festgestellt wird, dass sie irgendwann einmal, tunlichst bei einem von Soros finanzierten Studien- oder sonstigen Aufenthalt in Amerika nach rechts statt nach links pinkelte. Oder mal den Namen Brzezinski ausgesprochen, verwendet, sich darauf berufen oder sonst was hatte.
            Ich denke, darüber sollten wir hinaus sein, sonst befinden wir uns mitten in diesem „Storytelling“ mit dem Inhalt „Nawalny-ist-Scheiße“.
            Oder sogar bei der Weisung eines gewissen Herrn Dschughaschwili „Schlagt die Faschisten, wo ihr sie trefft“, von der mir meine Eltern mit spürbarer Verbitterung aus eigenem Erleben erzählten (meinen Hinweis auf A. Koestler übergingen Sie; erwartungsgemäß). Deshalb „bin ich geneigt“, so Ihren Hinweis auf die Grünen zu verstehen und ihn („typischer Weise“?) mit Ihrer Auffassung: „…auch wenn einem der Andere vor das Schiebenbein tritt, dann muss man trotzdem weiter die Türen offenhalten und immer wieder den Dialog suchen…“ zu verbinden (möge Ihr Schienbein gesund bleiben).
            OK, bleibt immer noch die Frage, warum niemand das, was auch Sie bereit sind zu nennen -sehr zaghaft mit „..jaaa, ist ja schade, dass…“ und „…auch ich bin ja…“ – nicht offen als das BENENNEN, was es ist. Klar und verständlich, im Sinne des bereits zitierten „…Ihre Sprache ist ihr Geist, ihr Geist ist ihre Sprache…“.
            Und genau aus diesem verdrucksten Stoff ist Ihr „Wer nicht redet, will Krieg“. Als Umkehrung postimperialen Schmerzes derjenigen, die einem „dauernd vors Schienbein treten“ und sich wundern, dass ein Herr Rütte klar vernehmlich sein „mit Herrn Putin setze ich mich nicht an einen Tisch“ vor laufender Kamera ausspricht.
            Aha. Herr Rütte will also Krieg. Mal sehen, wann er den Befehl zum Angriff gibt, der muss ja wohl unmittelbar bevorstehen. Kann ja nicht anders sein (sonst müsste das „Überdenken“ ja beginnen…).
            Genau dieses Herumgewürge „im Sinne der Idee“, dieser verdruckst-vorauseilende Gehorsam statt klarer Benen-nung der kleingeistigen und von Ressentiments gesteuerten offiziellen Verlautbarungen einer patriotisch besoffenen Führungselite eines Landes mit aus diesem Geist geborenen Führungsanspruches – dieses Schweigen von „linker Seite“ kritisiere ich. Und dieses Schweigen ist laut genug, gerät durch starke Sprüche wie „…Wer nicht redet, will Krieg“ nur in den Bereich des Wutverzerrten.
            Eine „Türen-knallende“ Grundlage, um einen „Dialog“ zu führen?
            Ich sehe weder bei der „dt. Linken“, noch auf der Seite der jetzigen Führungselite Russlands eine ernstzunehmende Persönlichkeit dazu.
            Deshalb bleibe ich dabei: Nein, die deutsche Linke kann nicht anders, als sie jetzt ist.
            Es sei denn, sie beginnt, neu und frei zu denken.

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            Also, wenn alles links von CDU/CSU – FDP die „deutsche Linke“ ist, dann haben Sie doch schon etliche „Linke“ die mehr als kritisch mit der russischen Regierung umgehen, ja sogar Dialoge abbrechen und Gespräche verweigern.

            Was soll denn nun die „Linke“ Ihrer Meinung nach anders machen? Die CDU/CSU ist da deutlich gesprächsbereiter als große Teile der von Ihnen so bezeichneten „Linken“.

            Das Zitat von Herrn Rütte ist mir nicht bekannt, ich kenne auch keinen Politiker mit Namen Rütte. Wenn der mir unbekannte Politiker Herr Rütte das gesagt haben soll, dann ist er als Politiker fehl am Platze. Ganz einfach. Politiker die sich Gesprächen verweigern haben in der Politik nichts zu suchen.

            Und noch einmal. Zu Nawalny habe ich bisher nichts gesagt oder geschrieben.

            Warum sollte ich auf Arthur Koestler eingehen? In Russland gibt es keinen Kommunismus, also hat seine Abrechnung nichts mit dem jetzigen konservativen neoliberalen Wirtschaftssystem zu tun.

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    Th. Bund 3 Monaten

    Da braucht ein sich gelehrig gebender Autor 2792 Worte (ohne Datum und Überschrift), um am Ende mit (seiner) Überzeugung sagen zu können: „Nawalny ist Scheiße“.
    Da geht es überhaupt nicht mehr um die Sache, da geht es um gewollte -zumindest geduldete- Vernichtung. Da nutzt auch die Maskerade eines gewollt mythischen Ausfluges nichts.
    Und eine Bestätigung der epochalen Erkenntnisse des gebildeten Autor mit seiner Art von „Gelehrigkeit“ durch einen Briefe schreibenden „Ukraine-Kenner“ (ohne Ahnung der tatsächlichen Verhältnisse vor Ort) kommt flugs, also „wie bestellt“.
    Reflexe der alten Art, es braucht kein Nachdenken -wozu auch, ihre „geschichtlichen Wahrheiten“ stehen für diese beide Kenner ja schon in Stein gemeiselt und unverrückbar fest.
    Das hat alles so etwas von „profunder Sachkenntnis“ und geistigem Horizont einer RT-Reportage an sich.
    Geht es wirklich nicht anders als Reportagen und Analysen aus dem geistigen Enddarm einer Silowoki-Entourage heraus?
    So lange sich auch ein Herr Jütte nur in Klagen erbricht und die Tatsache des bereits zwanzigjährigen „Erhebens von den Knien“ des großen Meisters beflissen übersieht, ein Herr Professor über Narrative sich in gewählter Einseitigkeit auslaufen lässt, so lange lassen wir mal die deutsche Linke von einen Bündnis jenseit der Union träumen.
    Man kann das nachlesen, in vielen Beiträgen in „russlandkontrovers“…

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      Also Herr Bund, da Sie mich ja nun direkt ansprechen, würde es mich ja mal interessieren, wo ich mich nur in „Klagen erbreche“ „und die Tatsache des bereits zwanzigjährigen „Erhebens von den Knien“ des großen Meisters beflissen übersehe“, damit ich da auch gezielt antworten kann.
      Ein unkonkreter unsachlicher Rundumschlag und in die Nähe rücken zu RT, ist weder zielführend, noch besonders intelligent. Das ist trollmäßiges Verhalten von Menschen, denen Sachargumente fehlen.
      Mit besten Grüßen
      Gunnar Jütte

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        Th. Bund 3 Monaten

        Der Kommentar wurde von der Redaktion verschoben.

        Mit Ihrer Bewertung meiner Zuschrift als „Rundumschlag“ kann ich gut leben, über die Einstufung „unsachlicher Rundumschlag“ können wir trefflich streiten. Ich würde mehr von einem „zornigen Rundumschlag“ sprechen.
        Schmunzeln muss ich über „…und in die Nähe von RT rücken…“, besonders in der Kombination mit dem nachfolgenden „..weder zielführend, noch besonders intelligent…“.
        OK, hat was, könnte etwas aussagen (wenn man es wahrnehmen will).

        Zurückkommend auf das „..unkonkreter unsachlicher Rundumschlag…“ und Ihrem Beitrag vom 31.05.21:
        „Seit dreißig Jahren versucht die Europäische Union, Russland ihren Wertekanon überzustülpen“ – das mag eine „starke Ouvertüre“ sein, bleibt aber ohne die Nennung eines auf Kriterien basierenden Vergleiches im gleichen, von Ihnen kritisierten Unkonkret-Unsachlichen.
        „Nach drei Jahrzehnten ist das Verhältnis EU-Russland an einem absoluten Tiefpunkt angelangt“ – ein Textbaustein mit dem Zweck: Die Verstehenden der Verständigen werden das schon als konkrete Definition verstehen.
        „In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte. Es geht um die Interessen von Staaten….“ – ein ebenso absolut schlagendes Konstrukt, vor allem in Verbindung mit dem nachfolgenden „…Russland die europäischen Werte aufzwingen zu wollen…“ (zum zweiten Mal in diesem Kommentar).
        Soll wohl sagen (?), dass Demokratie und Menschenrechte lässliche Dinge sind, denn es geht ja immer „…um die Interessen von Staaten…“ – also misch‘ dich nicht ein, von wegen „demokratische Kontrolle“ von aufgeweckten Bürgern – lachhaft, ist doch alles eine Schimäre und deshalb: Versuchs‘ erst gar nicht.
        Was das mit dem „ geht nie um Menschenrechte“ nun „beweisen“ oder „bekräftigen“ soll, gegen wen, für was, mit welchen Unterschieden in den Werten (entscheidenden, marginalen), – oder mit welchen anderen Werten an Stelle welcher überhaupt – alles konkrete Fehlanzeige. Ausser der möglichen Auslegung „lass‘ es sein, hab dir ja bewiesen, es geht nur um Interessen“.
        Was wunderbar passt zum Punkt „…die vom Westen in Russland hofierten liberalen Demokraten und Oppositionellen“, die (im heutigen Russland) Demokratie nicht können, die „… mehr oder weniger putschartig…“ (welch aparte Wortwahl im heutigen Russland) und „…selbst die liberale demokratische Opposition noch nicht einmal in der Lage (ist), einfachste demokratische Formen in Russland umzusetzen…“. …
        Und zum dritten Mal das konkrete „…Wir sollten damit aufhören, Russland westliche Werte zu überstülpen versuchen…“, was letztlich im Furioso des „…Wenn Russland deutsche NGOs aus dem Land verweist und der deutsche Teil des Petersburger Dialogs seine Gespräche aussetzt, dann ist das der falsche, der rückwärtsgewandte Weg…“ endet.

        Fazit aus diesem Sprachgebrauch: Eine sytematische Anwenden dieses „westliche Werte überstülpen“ als absichtsvolle Diffamierung der Werte als solche.
        Damit sind wir in dieser „konkreten Sachauseinandersetzung“ bei der gleichen Sinnhaftigkeit des 2700-Worte-Epos „Nawalny ist Scheiße“ und des „.. erbricht sich, ohne…“.

        Westliche Werte, EU-Werte scheinen also „gefährlich“ zu sein, sie liegen bestimmten Menschen buchstäblich im Magen, müssen also „ausgekotzt“ werden. Wenn’s sein muss auch im RT-Niveau, auf jeden Fall müssen sie „niedergemacht“ werden. Eben auf diese Art, in dieser Sprache, mit diesen Worten. („Ihre Sprache ist ihr Geist, ihr Geist ist ihre Sprache“, W.v. Humboldt).
        Mit diesem Geist ist eine „vorauseilende Entschuldung“ für vergangene, gegenwärtige und künftige „patriotischen Maßnahmen“ gegen dieses „westliche Überstülpen“ und den „westlichen Werten“ konnotiert.
        Diese (konkreten) Fälle sind mit Namen und Aktionen verbunden wie „Unser Mädchen Lisa“, „Tschushie sredi nas“, Senzow, die „INO“-Gesetzgebung mit ihren organisierten Denunzianten-Mechanismus, Serebrennikov, Golunow, Mochnatkin und als „patriotische Leistung“ herauszuheben der Fall Juri Dmitrijew. Diese Liste ließe sich (fast) beliebig verlängern. Z.B um das stündliche Wecken (auch nachts) eines Strafgefangenen zur Feststellung, dass er noch lebe (alles streng nach patriotischen Gesetzen). Aber das macht hier den Bock nicht fetter.
        Dieser fette, für jedermann sichtbare Bock, als systemarer Bestandteil einer Entourage, die ab 2010, insbesondere bei abbröckelnder Zustimmung zum „sich Erheben von den Knien“ ab 2015, das als alles entschuldigende und begründende „Argumentation“ (Instrument, Gesetzesvorhaben und -durchführungen) einsetzt. Gegen eigene Landsleute, die (selbstverständlich) dumm, gekauft oder extremistisch sind (zuletzt Ilja Jaschin).
        Auch „nachträglich“ per Gesichtserkennung und -besonders an „Werten“ so reich- rückwirkender Gesetzesanwendung. Was den durchaus anerkannten (russischen) Journalisten Inosemzew zur Stellungnahme (Auszüge vom 10 Juni 2021, Echo Moskwy) wie folgt veranlasste:
        „…Charakteristisch ist, dass die verabschiedeten Gesetze und Beschlüsse die Möglichkeit eines Protests gegen sie praktisch ausschließen – die Teilnehmer eines solchen Protests fallen automatisch in die Zahl der Komplizen der Extremisten mit allen Konsequenzen…
        Daher würde ich vermuten, dass der Übergang zu einem neuen autoritären Staat in Russland bereits stattgefunden hat und die kommenden Jahre wahrscheinlich nicht nur eine Zeit für das Wachstum der Protestbewegung, sondern auch für die Erwartung eines solchen Wachstums sein werden…
        Die nächste Stufe der Abwärtsbewegung ist überschritten, das Land hat ein neues „Plateau“ in seiner modernen poli-tischen Geschichte erreicht …

        Das alles soll mit der „Überstülpen-westlicher-Werte-Beschimpfung“ überdeckt, übertönt, schöngeredet, versteckt werden.
        Im vorauseilenden Gehorsam als entlastender Selbstzweck publizistisch erbrochen. Zuweilen sehr beflissen.
        Hat Russland das verdient?
        Auch nach Meinung der deutschen Linken?
        Kann es die deutsche Linke wirklich nicht anders?
        Na denn…
        Guten Appetit.

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          Na, dann wollen wir mal.

          1.) Zitat: „Seit dreißig Jahren versucht die Europäische Union, Russland ihren Wertekanon überzustülpen“ – das mag eine „starke Ouvertüre“ sein, bleibt aber ohne die Nennung eines auf Kriterien basierenden Vergleiches im gleichen, von Ihnen kritisierten Unkonkret-Unsachlichen. Zitat Ende.

          Nein, es ist weder unsachlich noch unkonkret. Ein einfaches Beispiel sind unterschiedliche Moralvorstellungen, die dahin münden, dass in Russland keine Werbung für Homosexualität gemacht werden darf, wenn unter 14 jährige diese sehen können.
          Die EU hat gerade diesen Paragraphen mehrmals bemängelt, ohne gerade hier die unterschiedlichen moralischen Entwicklungen in der EU und in Russland zu sehen.
          Russland ist hier in seiner Entwicklung noch nicht so weit, dass Ehe unter Gleichgeschlechtlichen möglich ist. Soweit ich mich dunkel entsinne, ist das in Deutschland auch noch nicht lange möglich. Und sollte ich mich irren, oder haben gerade einige EU-Staaten (Polen und Ungarn etwa) nicht auch Probleme damit?

          2.) Zitat: „Nach drei Jahrzehnten ist das Verhältnis EU-Russland an einem absoluten Tiefpunkt angelangt“ – ein Textbaustein mit dem Zweck: Die Verstehenden der Verständigen werden das schon als konkrete Definition verstehen. Zitat Ende.

          Dann sollten Sie vielleicht auch gegebenenfalls die deutsche Politik, die diese Formulierung ebenfalls nutzt, mindestens genauso angehen. Dieser, wie Sie schreiben Textbaustein wird auf allen bilateralen Treffen immer wieder so und in ähnlicher Form wiedergegeben. Von der deutschen, wie von der russischen Seite.

          3.) Zitat: „In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte. Es geht um die Interessen von Staaten….“ – ein ebenso absolut schlagendes Konstrukt, vor allem in Verbindung mit dem nachfolgenden „…Russland die europäischen Werte aufzwingen zu wollen…“ (zum zweiten Mal in diesem Kommentar).
          Soll wohl sagen (?), dass Demokratie und Menschenrechte lässliche Dinge sind, denn es geht ja immer „…um die Interessen von Staaten…“ – also misch‘ dich nicht ein, von wegen „demokratische Kontrolle“ von aufgeweckten Bürgern – lachhaft, ist doch alles eine Schimäre und deshalb: Versuchs‘ erst gar nicht.
          Was das mit dem „ geht nie um Menschenrechte“ nun „beweisen“ oder „bekräftigen“ soll, gegen wen, für was, mit welchen Unterschieden in den Werten (entscheidenden, marginalen), – oder mit welchen anderen Werten an Stelle welcher überhaupt – alles konkrete Fehlanzeige. Ausser der möglichen Auslegung „lass‘ es sein, hab dir ja bewiesen, es geht nur um Interessen“. Zitat Ende.

          Keine Ahnung, ob Sie in Ihrem von Vorurteilen geprägten Versuch meinen Kommentar zu lesen, auch wirklich alles gelesen haben. Ich habe dort Egon Bahr zitiert. Soweit ich weiss, hat auch Churchill ähnliches gesagt. Sie wollen doch nicht ernsthaft behaupten, bei China oder Saudi Arabien geht es um Menschenrechte, wenn westliche Politiker mit denen reden? Dagegen ist Russland ja nun wirklich noch ein Hort der Demokratie.

          4.) Zitat: Was wunderbar passt zum Punkt „…die vom Westen in Russland hofierten liberalen Demokraten und Oppositionellen“, die (im heutigen Russland) Demokratie nicht können, die „… mehr oder weniger putschartig…“ (welch aparte Wortwahl im heutigen Russland) und „…selbst die liberale demokratische Opposition noch nicht einmal in der Lage (ist), einfachste demokratische Formen in Russland umzusetzen…“. …Zitat Ende.

          Ich denke, ich habe an dem Beispiel meiner Heimatstadt Tarussa erklärt, wie sich die Demokraten und Oppositionellen verhalten. Halten Sie deren Verhalten nach 30 Jahren Ende der UdSSR vielleicht demokratisch? Wenn Edinaja Russia (Sie würden Putinpartei sagen) eine Stadtdumaabstimmung so manipuliert, dass ohne die geringste demokratische Legitimation eine Strassenumbenennung durchgesetzt wird, dann bezeichne ich das als putschartig. Wenn die Demokraten und Oppositionellen sich mit ER und den Monarchisten zusammentun, halte ich das jedenfalls für sehr schädlich und verurteile die „Demokraten“ insofern, dass Sie eben keine demokratischen Regeln einhalten. Wenn Sie der Meinung sind, es ist legitim undemokratisch zu sein und mit ER und den Monarchisten zusammengearbeitet werden soll, ist das nun wirklich Ihre Meinung. Meine nicht.

          5.) Zitat: Und zum dritten Mal das konkrete „…Wir sollten damit aufhören, Russland westliche Werte zu überstülpen versuchen…“, was letztlich im Furioso des „…Wenn Russland deutsche NGOs aus dem Land verweist und der deutsche Teil des Petersburger Dialogs seine Gespräche aussetzt, dann ist das der falsche, der rückwärtsgewandte Weg…“ endet. Zitat Ende.

          Dazu stehe ich. Ich halte das Rauswerfen der NGOs und das Aussetzen der Gespräche von deutscher Seite von beiden Seiten für falsch. Ich habe mich gerade in diesem Satz auf keine Seite gestellt.

          6.) Zitat: Fazit aus diesem Sprachgebrauch: Eine sytematische Anwenden dieses „westliche Werte überstülpen“ als absichtsvolle Diffamierung der Werte als solche.
          Damit sind wir in dieser „konkreten Sachauseinandersetzung“ bei der gleichen Sinnhaftigkeit des 2700-Worte-Epos „Nawalny ist Scheiße“ und des „.. erbricht sich, ohne…“. Zitat Ende.

          Ich halte die westlichen Werte keinesfalls für falsch, Sie müssen mir da nichts in den Mund legen, was ich nie gesagt habe. Ich spreche lediglich davon, dass westliche Werte anders sein können als russische Werte und als z.B. asiatische Werte. Ich stimme auch nicht mit den Werten des Vatikan überein und das sind ja auch westliche Werte. Zu Navalny habe ich nichts gesagt oder geschrieben. Sie sollten bei dem bleiben, was ich geschrieben hatte.

          7.) Zitat: Westliche Werte, EU-Werte scheinen also „gefährlich“ zu sein, sie liegen bestimmten Menschen buchstäblich im Magen, müssen also „ausgekotzt“ werden. Wenn’s sein muss auch im RT-Niveau, auf jeden Fall müssen sie „niedergemacht“ werden. Eben auf diese Art, in dieser Sprache, mit diesen Worten. („Ihre Sprache ist ihr Geist, ihr Geist ist ihre Sprache“, W.v. Humboldt).
          Mit diesem Geist ist eine „vorauseilende Entschuldung“ für vergangene, gegenwärtige und künftige „patriotischen Maßnahmen“ gegen dieses „westliche Überstülpen“ und den „westlichen Werten“ konnotiert.
          Diese (konkreten) Fälle sind mit Namen und Aktionen verbunden wie „Unser Mädchen Lisa“, „Tschushie sredi nas“, Senzow, die „INO“-Gesetzgebung mit ihren organisierten Denunzianten-Mechanismus, Serebrennikov, Golunow, Mochnatkin und als „patriotische Leistung“ herauszuheben der Fall Juri Dmitrijew. Diese Liste ließe sich (fast) beliebig verlängern. Z.B um das stündliche Wecken (auch nachts) eines Strafgefangenen zur Feststellung, dass er noch lebe (alles streng nach patriotischen Gesetzen). Aber das macht hier den Bock nicht fetter.
          Dieser fette, für jedermann sichtbare Bock, als systemarer Bestandteil einer Entourage, die ab 2010, insbesondere bei abbröckelnder Zustimmung zum „sich Erheben von den Knien“ ab 2015, das als alles entschuldigende und begründende „Argumentation“ (Instrument, Gesetzesvorhaben und -durchführungen) einsetzt. Gegen eigene Landsleute, die (selbstverständlich) dumm, gekauft oder extremistisch sind (zuletzt Ilja Jaschin).
          Auch „nachträglich“ per Gesichtserkennung und -besonders an „Werten“ so reich- rückwirkender Gesetzesanwendung. Was den durchaus anerkannten (russischen) Journalisten Inosemzew zur Stellungnahme (Auszüge vom 10 Juni 2021, Echo Moskwy) wie folgt veranlasste:
          „…Charakteristisch ist, dass die verabschiedeten Gesetze und Beschlüsse die Möglichkeit eines Protests gegen sie praktisch ausschließen – die Teilnehmer eines solchen Protests fallen automatisch in die Zahl der Komplizen der Extremisten mit allen Konsequenzen…Zitat Ende.

          Zu den westlichen Werten habe ich mich oben geäußert. Und ja, auch ich bin gegen flächendeckende Gesichtserkennung, bin dagegen, das Gefangene schlecht behandelt werden und gefoltert werden und bin auch gegen einen Patriotismus der in einen Nationalismus übergeht. Ich sehe nicht, dass ich mich an irgendeiner Stelle anders geäußert hätte. Trotzdem halte ich die Politik von Brandt und Bahr immer noch für die beste Form zwischenstaatlich umzugehen, anstatt Mauern aufzubauen.

          8.) Zitat: Daher würde ich vermuten, dass der Übergang zu einem neuen autoritären Staat in Russland bereits stattgefunden hat und die kommenden Jahre wahrscheinlich nicht nur eine Zeit für das Wachstum der Protestbewegung, sondern auch für die Erwartung eines solchen Wachstums sein werden…
          Die nächste Stufe der Abwärtsbewegung ist überschritten, das Land hat ein neues „Plateau“ in seiner modernen poli-tischen Geschichte erreicht …Zitat Ende.

          Genau das ist es. ER und Zargrad sind im Moment dabei Russland immer stärker in einen rückwärtsgewandten Staat umzuwandeln. Im konservativen Gewand des 19 Jahrhunderts. Genau darum verurteile ich es, dass die „Demokraten“ selber in Russland anfangen mit diesen Kräften zusammenzuarbeiten.

          9.) Zitat: Das alles soll mit der „Überstülpen-westlicher-Werte-Beschimpfung“ überdeckt, übertönt, schöngeredet, versteckt werden.
          Im vorauseilenden Gehorsam als entlastender Selbstzweck publizistisch erbrochen. Zuweilen sehr beflissen. Zitat Ende

          Das ist gelinde gesagt, Blödsinn. Versuchen Sie mal meinen Kommentar ohne Schaum vor dem Mund zu lesen und versuchen Sie den Kommentar auch zu verstehen.
          Es geht mir darum, dass Türen für Gespräche offen gehalten werden müssen. Dass es erstmal um wesentliche gemeinsame Interessen geht und man solche Gespräche nicht mit einer auch immer gearteten Wertediskussion anfangen soll, die gleich jedes Gespräch abwürgt. Anscheinend waren Sie nie auf dem „Petersburger Dialog“, den „Potsdamer Begegnungen“ oder wie gerade jetzt auf der deutsch-russischen Städtepartnerschaftkonferenz.
          Es geht um auch hier wieder Bahr und Brandt zu zitieren, um Wandel durch Annäherung. Der Holzhammer führt nur dazu, dass nichts passiert und Russland weiter sich nach China orientiert und sich weiter in seinem Nationalismus vergräbt.
          Und ja, wenn Sie der Meinung sind, Bahr und Brandt haben linke Politik gemacht, ja, dann kann ich als Linker nicht anders.

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    Horst Beger 4 Monaten

    In der Konfrontation Deutschlands und des Westens mit Russland geht es nicht darum, wer die „besseren (mythologischen) Geschichten erzählen kann“ und um die Bedeutung des Unbewussten nach C. G. Jung, sondern um bewusste harte geostrategische Interessenkonflikte der Gegenwart und Zukunft zwischen dem Westen und Russland. Hinzu kommt der jahrhunderte alte Kulturkampf des westlichen(römischen) Christentums gegen das östliche(russische) Christentum, wie der amerikanische Politologe Samuel Huntington das in seinem „Kampf der Kulturen“ aufgezeigt hat. Ganz konkret zeigt sich dieser Interessenkonflikt in der Teilung der Ukraine in eine vom russischen Christentum geprägte Ostukraine und eine vom römischen Christentum beeinflusste Westukraine. Und Deutschland und der Westen haben diesen Konflikt von Anfang an bewusst unterstützt und betrieben, nicht zuletzt durch die katholische Konrad Adenauer Stiftung, die diesen Weg auch in Bezug auf Weißrussland betreiben.

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