Einige konstruktive Gedanken zum Verhältnis Russlands mit dem Westen

Einige konstruktive Gedanken zum Verhältnis Russlands mit dem WestenWittmann, Dr. Klaus Brigadegeneral a.D. bild © Wittmann

Brigadegeneral a.D. Dr. Klaus Wittmann, geb. 1946 in Lübeck, trat im Oktober 2008 nach 42 Jahren Bundeswehrdienst in den Ruhestand. Seine Laufbahn beinhaltete Truppenkommandos (Bataillons- und Brigadekommandeur), akademische Abschnitte (Geschichts- und Politikstudium mit Promotion zum Dr. phil. und Forschungsaufenthalt am International Institute for Strategic Studies in London), militärpolitische Arbeit im BMVg und im NATO-Hauptquartier sowie höhere Offiziersausbildung national (Direktor Lehre an der Führungsakademie der Bundeswehr) und international (Director Adademic Planning and Policy am NATO Defense College, Rom). Zahlreiche Veröffentlichungen zur Außen- und Sicherheitspolitik. W. war Mitglied der Kammer für Öffentliche Verantwortung, in der die Friedensdenkschrift des Rates der EKD von 2007 entstand. Er ist Senior Fellow des Aspen Institute Deutschland und hat einen Lehrauftrag für Zeitgeschichte an der Universität Potsdam. Er ist Mitglied des Deutsch-Russischen Forums seit 2014.

 

I.

Als vor zwei Jahren eine US-Brigade in Bremerhaven angelandet und nach Polen verlegt wurde, wurde ich vom rbb um ein Interview gebeten. Eingangs konfrontierte der Redakteur mich mit der Aussage des brandenburgischen Ministerpräsidenten Woidke, Dialog sei besser als Panzer. Meine Antwort: Erstens kann man dem nicht generell widersprechen, zweitens sind Sie bei mir an der richtigen Adresse, denn über den Dialog mit Russland habe ich schon oft nachgedacht und geschrieben, aber drittens sind Dialog und Panzer in diesem Zusammenhang kein Gegensatz. Und ich erklärte die seit 1967 gültige „Harmel-Philosophie“ der NATO: Verteidigung und Entspannung, Festigkeit und Bereitschaft zum Dialog.

II.

In der Tat fühlt sich die NATO seit der russischen Aggression gegen die Ukraine in die „Artikel 5-Welt“ zurückkatapultiert. Wenn sie schon dem Partnerland nicht militärisch beistehen konnte, muss sie doch absolut zuverlässigen Schutz der eigenen Mitgliedsstaaten im Osten garantieren. Dazu hat sie auf den Gipfeltreffen in Wales 2014, Warschau 2016 und Brüssel 2018 weitreichende Entscheidungen getroffen, einschließlich der Stationierung multinationaler Bataillone in Polen und den baltischen Staaten. Diese senden die Botschaft des Beistandsartikels 5 im NATO-Vertrag aus: Ein militärischer Angriff gegen einen Alliierten wäre ein Angriff auf alle. Diese Maßnahmen sind rein defensiv, von ihnen geht keine Bedrohung Russlands aus  –  wie auch die russische Aversion gegen die NATO-Osterweiterung (genauer: den Beitritt der vom sowjetischen Joch und der beschränkten Souveränität im Warschauer Pakt befreiten Länder zur Allianz) nicht auf realen Bedrohungsvorstellungen beruhen kann, sondern eher politisch-psychologisch zu verstehen ist.

Im Westen und in der NATO gibt es zwar Anlass, selbstkritisch den eigenen Anteil an der Verantwortung für die Verschlechterung zu reflektieren, die sich in den Beziehungen zu Russland vollzog, seitdem 1997 in der NATO-Russland-Grundakte beide Seiten sich gegenseitig versichert hatten, sich künftig gegenseitig nicht mehr als Gegner zu betrachten.

Doch kann Selbstkritik keine Einbahnstraße sein. Das russische Narrativ über diese Entwicklung, über westliche Fehler und besonders über den Ukraine-Konflikt ist äußerst einseitig. Aber noch so häufige Wiederholung der Schilderungen vom „drohenden Völkermord“ auf der Krim, vom Präsidentensturz in Kiew durch eine „faschistische Clique“, von der Nichtbeteiligung russischer Streitkräfte am sogenannten „Bürgerkrieg“ in der Ostukraine können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Russland mit seiner gewaltsamen Intervention die wichtigsten Regeln der europäischen Sicherheitsordnung gebrochen hat: souveräne Gleichheit aller europäischen Staaten, Unverletzlichkeit der Grenzen, friedliche Streitschlichtung, Recht auf freie Bündniswahl. Moskaus Anspruch auf exklusive Einflusszonen im „nahen Ausland“ ist im heutigen Europa inakzeptabel.

Natürlich stimmt die oft zu hörende Einsicht, dass es auf längere Sicht Sicherheit in Europa nur mit, nicht ohne, oder gar gegen Russland geben kann. Aber Moskaus Politik und militärische Vorgehensweise haben es fertiggebracht, dass für viele Länder die Sicherheit vor Russland wieder im Vordergrund steht. Das ist nicht im russischen Interesse!

III.

Russland braucht – wie seinerzeit die Sowjetunion – „neues Denken“ in der Außen- und Sicherheitspolitik. Der Westen sollte das mithilfe „goldener Brücken“ erleichtern. Das kann natürlich nicht eine „Legalisierung“ der Krim-Annexion bedeuten – eingedenk der Tatsache, dass der Westen die zwangsweise Sowjetisierung der Baltischen Republiken nie anerkannt hat, bis sie 45 Jahre später wieder freie Staaten waren. Auch auf einer friedlichen, völkerrechtskonformen Lösung des Konflikts im Donbass und ungehinderter Schifffahrt im Asowschen Meer muss der Westen bestehen.

Trotzdem aber sollte die NATO das beim Warschauer Gipfel erneuerte Dialogangebot an Moskau konkretisieren. Und sie sollte sich bewusstmachen, dass seit der Auflösung der Sowjetunion das systematische, langfristig angelegte, ernsthafte Gespräch über Russlands Platz in der europäischen Sicherheitsordnung versäumt wurde. Der auf Putins Münchener Wutrede („Der Westen macht, was er will“) folgende Berliner Medwedew-Vorschlag von 2008 hätte dazu den Anlass bieten können. Nicht, dass sein Konzept eines europäischen Sicherheitsvertrags in der Substanz uneingeschränkt akzeptabel gewesen wäre, aber der Vorschlag hätte den „Aufhänger“ bieten können für konstruktiven, offenen Dialog mit langem Atem. Die westliche Zurückhaltung kam einer verpassten Gelegenheit gleich. (Auch die Schlussakte von Helsinki 1975 mit ihrer segensreichen Wirkung für die weitere Geschichte Europas ging zurück auf ursprünglich misstrauisch betrachtete sowjetische Vorschläge!)

Die derzeitige internationale Lage – erneute Konfrontation in Europa, Erosion der Rüstungskontroll-Regime, globaler Terrorismus, Pulverfass des Nahmittelost, herausfordernder Aufstieg Chinas – sollte zum neuen Bewusstsein von Gemeinsamkeiten zwischen dem Westen und Russland führen. Dies auch angesichts der schweren inneren Probleme der Russischen Föderation, von denen nicht auf ewig durch „Externalisierung“ und die Suche nach Sündenböcken wird abgelenkt werden können.

Ein Forum des Dialogs, das dringend wiederbelebt werden muss, ist der NATO-Russland-Rat (NRR). Aus ihm wurde in den 22 Jahren seines Bestehens nicht genug gemacht. 1999 suspendierte Russland seine Mitarbeit wegen der Kosovo-Lufteinsätze der NATO und wurde dafür harsch kritisiert.  2008 machte die NATO wegen Russlands Krieg gegen Georgien denselben Fehler. Und angesichts des russischen militärischen Vorgehens gegen die Ukraine 2014 verwarf die NATO „business as usual“;  alle konkrete Zusammenarbeit in den Gremien des NRR wurde eingestellt, und auch auf politischer Ebene kam er viele Monate lang nicht zusammen  – während er doch eigentlich seit Ausbruch des Konflikts als Krisenmanagement-Mechanismus quasi in Permanenz hätte tagen müssen!

Wie auch die NATO-Russland-Grundakte von 1997 mit ihren Festlegungen auf Frieden, Freiheit und Kooperation in Europa sollte der NATO-Russland-Rat selbst in der gegenwärtigen Krise bewahrt werden. Kurzfristig sollte der NRR mit seinen – besonders auf militärischer Ebene wieder zu aktivierenden – Untergruppen der Vermeidung unbeabsichtigter militärischer Zwischenfälle im Verhältnis zwischen Russland und der NATO dienen. Mittelfristig müsste er zu neuer Qualität geführt werden mit einer Konkretisierung und Ausweitung der Felder potentiell konformer Interessen und gemeinsamer Aktion, von denen viele schon in der Grundakte aufgeführt sind und wo Vertrauensbildung anhand konkreter Gemeinschaftsaufgaben geübt werden könnte. Längerfristig sollte der NRR zum allzu lange versäumten Gespräch über Russlands Platz in der europäischen Sicherheitsordnung beitragen. Die NATO könnte sich zusätzlich zu einem strukturierten Dialog mit der von Russland geführten Collective Security Treaty Organisation (CSTO) bereiterklären.

Zweifelhaft, ob es in Moskau zu einem Umdenken kommen kann, solange Präsident Putin am Ruder ist und Russlands erneute Größe auf Konfrontation und die Furcht kleiner Nachbarn stützt. Zweifelhaft, ob er eines Tages einsehen wird, dass man Großmachtstatus nicht ertrotzen oder erzwingen kann, sondern  erwirbt – vorzugsweise durch konstruktive Mitwirkung am globalen und regionalen Problemlösen. Wir sollten aber Gedanken zu kooperativer statt konfrontativer Sicherheit entwickeln, bereithalten und anbieten –  für bessere Zeiten.

 

COMMENTS

WORDPRESS: 8
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    Horst Beger 1 Woche

    Liebe Frau Böttcher,
    die nichtssagende Antwort von hmw auf ihre drängenden Fragen zeigt, dass dieser durch jahrzehntelange Gehirnwäsche der NATO zu einem pathologischen Fall geworden ist, gegen den bekanntlich „Götter selbst vergeblich kämpfen“.
    Herzliche Grüße
    Horst Beger

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    Die gefährliche Russlandstrategie der USA [Video]

    [von Julia Dudnik mit Kai Ehlers] Gab es unter Trump nun eine Verschärfung der Russlandpolitik oder das Gegenteil? Der Russlandforscher Kai Ehlers glaubt an beides nicht – vielmehr folge die USA bereits seit den 90er Jahren eine Einkreisungsstrategie, die auch die enger werdende Kooperation zwischen Russland und China verstärkte – trotz nicht unbedingt identischer Interessen.

    Weitere Stimmen von Experten – auch aus gemeinsamen Papieren von russischen und amerikanischen Wissenschaftlern und die Meinung der Bevölkerung – wie immer Sonntags ein Beitrag von Julia Dudnik aus Moskau im Rahmen unserer Reihe Russland.direct http://www.russland.direct – heute mit dem Publizisten und Russlandexperten Kai Ehlers.

    https://youtu.be/IMBCigSdCYc

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    Doris Freitag 2 Wochen

    Bravo, Frau Böttcher !!!!!

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    Horst Beger 2 Wochen

    Liebe Frau Böttcher,
    es ist vergebliche Liebesmühe, von einem CIA-gesteuerten NATO- und militärangehörigen „Volksvertreter“, der alle Ihre vorgetragenen Argumente bestätigt, eine Antwort auf Ihre Fragen und Sorgen zu erwarten.
    Dieses einseitige Denken in militärischen Kategorien, noch dazu unter dem Deckmantel des „christlichen“ Abendlandes, hat uns bereits zwei Weltkriege beschert und ist, wie Sie befürchten, bereit einen Dritten Weltkrieg in kauf zu nehmen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Horst Beger

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      Ich fürchte, Sie haben recht, lieber Herr Beger.

      Deshalb verstehe ich ja auch nicht, weshalb hier ein Beitrag steht, der in Inhalt und Diktion identisch ist mit einer von der NATO vermachteten Presse: durch 24 sogenanntee NATO-„Exzellenzzentren“ für den „Informationskrieg“, von der East StratCom TaskForce auf EU-Level und ihrer US-amerikansichen Entsprechung und einer ganzen Herde bestens transatlantisch organisierter „Alphajournalisten“ in den „Leitmedien“.

      Und das verkauft man uns als „Meinungs-“ und „Pressefreiheit“, während jeder, der die berechtigte Furcht vor der gezielten transatlantischen Zerstörung des Friedens in Europa denunziert wird als jemand, der für diese Sorge von Russland aus bezahlt werden müsste.

      Mir kommt das vor wie eine erneute und glattere, scheinbar unblutige Variante dessen, was in Deutschland nach dem Reichstagsbrand Ende Februar 1933 passiert ist. Die bisherigen Bauernopfer sitzen halt vor allem im Osten der Ukraine, während man uns versucht, leider erfolgreich, in Apathie zu wiegen.

      Die größte Schamlosigkeit jedoch ist das neue NATO-Vorhaben, erneut einen Krieg gegen Russland zu proben – und zwar ausgerechnet am 9. Mai! Da kann man sich nur noch in Grund- und Boden schämen. Dass die Russen im persönlichen Umgang immer noch privat nett zu allen Europäern sein können, die selbst diese Logik nicht vertreten, und uns – angesichts der Friedhofsruhe – immer noch nicht alle in einen Topf werfen, ist das eizig Tröstliche.

      Herzliche Grüße zurück,
      Anja Böttcher

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        Sehr geehrte Frau Böttcher: Sie schreiben „Deshalb verstehe ich ja auch nicht, weshalb hier ein Beitrag steht, der in Inhalt und Diktion identisch ist mit einer von der NATO vermachteten Presse …“
        Wie der Name schon sagt „russlandkontrovers“.
        Ihr hmw

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          Sehr geehrte Redaktion von Russlandkontrovers,

          aber ein ein Beitrag der nur mantrahaft – und zwar bis in die letzte Formulierung hinein – ein Narrativ wiederholt, welches wir seit fünf Jahren in Endlosschleife von unserer transatlantisch hervorragend vernetzten und von 24 Nato-„Exzellenzzentren“, der East StratCom TaksForce und zahlreichen Afterworkparties mit der politischen Nomenklatura ganz & gar einheitlich flankierten Leitmedienjournalisten, auf die gut achtgegeben wird, damit sie unter „Demokratie“ und „Freiheit“ bloß nicht anderes verstehen als der NATO-Zentrale recht & billig ist, vorgekaut bekommen, ist doch keine DISKUSSIONSBEITRAG.

          Setzen sich Disussionsbeiträge nicht auch diskursiv mit Gegenargumenten auseinander?

          Aber das tut doch niemand mehr, nirgendwo. Hierzulande muss doch, wer sich Sorgen um den Weltfrieden macht, mindestens persönlich dafür vom Kreml bezahlt werden, nicht?

          Ich für meinen Teil – und da bin ich in meinem Bekanntenkreis recht repräsentativ – empfinde unsere derzeitige politische Realität wie die Eskalation eines Kafka-Romans. Ich habe den Eindruck, dass wir im Eiltempo in den Dritten Weltkrieg gejagt werden – und finde, dass man uns mieser behandelt, als zum Tode Verurteilte im Mittelalter. Die bekamen zumindest noch Antworten vor der kollektiven Hinrichtung. Wir nicht.

          Ist das neuederings das, was man unter Demokratie versteht?

          Mit freundlichen Grüßen,
          Anja Böttcher

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    Sehr geehrter Herr Wittmann,

    wenn ich einen Beitrag, ernsthaft als Beitrag für die Wiedergewinnung eines konstruktiven Dialogs intendiert, lese, der von einem pensionierten führenden deutschen Militär stammt, in seiner Auffassung der Situation aber derart in einer primitiven Wiedergabe eines boulevardesken Narrativs gibt, dass man von Anfang an noch nicht einmal 70% der gewöhnlichen deutschen Bürger verkaufen kann, dann weiß ich nicht, ob ich schallend lachen, weinen oder mich mit Gruseln abwenden soll.

    Bereits im Jahr 2019 als jemand, der es besser wissen MÜSSTE, hier das ewige Mantra wiederzuverkünden, die NATO sei ein „Verdeidigungsbündnis“ kann nur entweder Chuzpe oder grenzenlose Naivität bedeuten. Wie viele aggressive Publikationen, die weder mit der UN-Carta noch mit dem Selbstverständnis des Grundgesetzes noch mit der EU-Verfassung in Einklang zu bringen, und völkerrechtswidrige Angriffskriege, die in der völligen Zerlegung der angegriffenen Länder enden, muss die sogenannte „Schutzmacht“ USA eigentlich noch vorlegen, bis Offizielle unseres Staates merken, dass sie, ohne sich lächerlich zu machen, nicht mehr die übliche Mär breittreten, das Gekettetsein an den brutalsten und menschenverächtlichsten Politikapparat der Welt habe irgendetwas mit unserer „Verteidgung“ und „Freiheit“ zu tun?

    Eine Frage: Lesen die Verfasser, die hier Beiträge zur Verständigung einstellen, eigentlich die Antworten, die wir hier geben? Oder heißt für sie „Russland kontrovers“ nur, dass sie ihre eigene Sicht einstellen, an Reaktionen aber gar nicht interessiert sind?

    Ich werde dennoch gründlich antworten, um zu beweisen, dass niemand die NATO nichts gegenüber Russland „versäumt“ hat, sondern lediglich diktatorisch von dem sie dominierenden Establishment stets nur mit dem Zweck geführt wurde, den russischen Staat zu zerstören – und koste es das Leben sämtlicher Europäer.

    Beweise:

    Bereits der Regimeumsturz in Rumänien, das zweifellos von einer elendig tyrannischen Herrscherfamilie Ceaucescu geführt wurde, wurde im Blick auf Russland, absichtlich unter einer mit Lügen aufgeladenen fabrizierten Pressekampagne eskalatorisch geplant, unter Verwendung gewaltbereiter von der CIA gesteuerter ungarisch-nationalistischer Minderheiten im Land, der Vortäuschung von vermeintlichen Greueln des Herrschers unter Drapierung von Leichen, die aus einer Leichenhalle entwendet, vor westlichen Pressekameras als Opfer eines rumänischen Massakers ausgegeben wurden und unter Anleitung jener Kräfte seitens US-amerikanischer und französischer Dienste, die dafür sorgten, dass die Ceaucescus gelyncht und nicht etwa vor Gericht gestellt wurden.

    Dieser perfide Fahrplan wurde um die Jahrtausendwende in einer Dokumentation von Arte en detail nachgezeichnet, in der hochrangige Geheimdienstoffiziellen des CIA und des französichen Geheimdienstes ihr perfides Vorgehen voller Stolz in Journalistenmikrophone ausbreiten. O-Ton des US-Offiziellen: Die „Revolution“ in Rumänien habe so barbarisch und gewaltsam enden müssen, um volle Gewalt über das Land zu erhalten und zu testen, ob (wörtlich) „Gorbatschow die Füße still h[a]lt[e]“. Beteiligte rumänische Aktivisten, die den Regime-Change zu Beginn für bare Münze als „demokratische Revolution“ gehalten haben, waren im Nachhinein tief traumatisiert und fühlten sich missbraucht. Auch wegen der unschuldigen Opfer des gewaltsamen Umsturzes. Eine Beteiligte meinte ohnmächtig, sie habe wirklich den Abgang der Ceaucuscus gewollt, fühle sich aber nun missbraucht und „schmutzig“. Die wirklich erhellende Dokumentation kann hier geschaut werden.
    https://www.youtube.com/watch?v=oy0BQMP80QQ

    Kommen wir zum zweiten medialen Dokument: Im Jahr 1989 diskutierten öffentlich auf einer Bühne sämtliche ehemaligen und der aktive Verteidigung der USA, darunter auch der spätere Außenminster unter George W. Bush, Donald Rumsfeld, offen darüber, wie sie die historische Gelegenheit des Rückzugs der Sowjetunion aus der DDR und den zu erwartenden Niedergang des Warschauer Pakts perpektivisch bewerteten: Alle von ihnen, mit Ausnahme von Robert McNamara machten klar, dass es nicht darum gehe, eine allgemeine europäische Friedensordnung herzustellen. Sondern sie betrachteten ganz klar Russland als permanenten, einmalig geschwächten Feind, den es gelte, völlig aus Europa rauszudrängen, um ein breites Feld US-amerikanischer Hegemonie derart erdrückend an Russlands Grenzen heranzurücken, dass es für immer geschwächt sei. Das wenig friedliche Gespräch können Sie sich hier immer noch anhören.
    https://www.youtube.com/watch?v=9fPzvG7qFRI

    Nächster Punkt: Die Zerlegung Jugoslawiens und der völkerrechtswidrige Angriffskrieg gegen Serbien: Anders als von der NATO-Propaganda dargestellt, über die selbst eine WDR-Doku die Lügen Scharpings gegenüber der deutschen Öffentlichkeit enthüllte (Titel der Doku: „Es geschah mit einer Lüge“ – nämlich Scharpings Lüge eines angeblich gegen die Kosovaren gerichteten serbischen Hufeisenplans), wurde über Jahre gezielt mit Hilfe riesiger Geheimdienstkontingente, aber auch, erstmals, privater PR-Agenturen, die mit den US-Diensten kooperierten, westlicherseit vorbereitet. Dass auch die Verhandlungen von Ramboullet mit faulen Täuschungen so geführt wurden, dass sie scheitern mussten, haben gleichfalls Friedensinstute mit Hilfe zahlreicher Dokumente nachgewiesen. Zur Wahrheit über die Gründe dieses Krieges, der auch und vor allem gegen Russland geführt wurde, verlinke ich umfangreiche Dokumentsammlungen der AG Friedensforschung, des Europäischen Tribunals über den NATO-Krieg gegen Serbien und eine Forschungsarbeit von Professor Jörg Becker über den Einsatz von PR-Agenturen zur Ankurbelung des Bürgerkriegs:
    http://www.ag-friedensforschung.de/themen/NATO-Krieg/Welcome.html
    http://www.nato-tribunal.de/
    http://www.profjoergbecker.de/Dokumente/autobiotexte/J-Becker%20Srebrenica%20dt..pdf

    Und nun ein drittes Dokument: Im Jahr 2000 fand die Konferenz von Bratislawa statt, auf der das Pentagon den osteuropäischen Außenministern offen verkündete, der Jugoslawienkrieg sei deshalb von den USA vorangetrieben worden, um a) eine Fehlentscheidung Eisenhowers zu korriegieren und nun endlich auf serbischem Grund eine US-Militärbasis zu etablieren, b) um die europäischen Rechtsordnungen auszuhebeln, die bislang Europäer gehindert hätten, völkerrechtswidrige Angriffskriege zu führen und sie unter US-Recht als Vasallen der USA zu packen und c) Russland sukzessive durch Folgekriege ohne maritimen Zugang einzusperren und die volle Kontrolle über den russischen Ostseezugang und das Schwarze Meer zu erlangen. Dass wir den Verlautbarungsinhalt der Konferenz kennen, verdanken wir einem offenen Brief des damaligen Vorsitzenden des parlamentarischen Auschussses der OSZE des deutschen Bundestages, Willy Wimmer, an Bundeskanzler Gerhard Schröder.
    https://www.perseus.ch/PDF-Dateien/bracher-wimmer.pdf

    Kurz, alle diese Dokumente belegen, dass systematisch die geopolitische Strategie des auf Halford Mackinders Heartland-Theorie beruhenden geostrategischen Denkens des dreimaligen US-Präsidentenberaters Zbgniew Brzezinski, veröffentlicht englisch als „The Grand Chessboard“, deutsch als „Die einzige Weltmacht“ umgesetzt werden sollte. Dass die deutsche Fassung hier gänzlich unbekannt wäre, ist unmöglich. Denn das deutsche Vorwort zur hiesigen Ausgabe schrieb kein geringerer als Hans-Dietrich Genscher.
    http://www.dragaonordestino.net/Drachenwut_Blog_DragaoNordestino/Freies-Konsensforum/Freies-Konsensforum_arquivos/Die-einzige-Weltmacht.pdf

    Kurz Wer also ist der Aggressor im Ukraine-Konflikt? Und wer ist Objekt dieser Aggression? Ich will es Ihnen sagen, Herr Wittmann: Dass die USA eindeutig von mir als Aggressr erkannt wurden, wird sie nicht wundern. Aber Objekt der Aggression ist nicht nur Russland, sondern auch Europa – und zwar in Gänze. Das berühmte Diktum Victoria Nulands „Fuck the EU“ heißt: Wir, die USA, haben die einseitige Eskalationsdominanz auf dem europäischen Kontinent. Die Europäer sind nichts als unser Schlachtvieh und unser Schlachtfeld.

    Was also ist die NATO? Sie ist kein „Verteidigungs-„, sondern ein Mittel der US-Hegemonie – und zwar eines das sämtliche Zerstörungsmodalitäten, bis zur vollständigen Elimination der Europäer und der Auslöschung aller europäischen Länder umfasst. Sie ist das bösartigste, feindlichste und zerstörerischste Konstrukt der Menschheitsgeschichte – und ein Europäer, der bereit ist, sie als „Verteidgiungsbündnis“ zu bezeichnen, kann von denkenden Europäern als nichts anderes bezeichnet werden als ein Lakai unserer Metzger.

    Es gibt nur eines, was die NATO tun kann, um den Frieden in Europa zu sichern: sich auflösen. Und deshalb berührt die Existenz der NATO die Frage des weiteren Funktionierens von Staatlichkeit in Europa im Kern: Wenn Staaten und Regierungen noch nicht einmal den primitivsten Hobbesschen Kriterien genügen, ihre Bürger vor der vollständigen physischen Vernichtung zu bewahren, sondern im Gegenteil, darauf gerichtet sind, sie ihnen auszuliefern, erodiert jede Loyalität zu solchen Regierungen. Das beobachten wir jetzt. Es ist ein chaotischer Prozess, in dem sich beunruhigender Weise wieder völkisch-chauvinistische Stimmen laut positionieren, nur dass leider ihre Delegitimation nicht mehr funtionieren kann, weil die Zertörungsbereitschaft etablierter Strukturen ihnen in nichts nachsteht. Humane Stimmen werden von einer der etablierten Zerstörungs- und Kriegslogik zuarbeitenden NATO-Kampagnenpresse einfacht überschrien – und können von den Bürgern, die mehrheitlich in Deutschland trotz aller Beunruhigung bemerkenswert human bleiben, nicht mehr gehört werden.

    Das ist der Punkt, an dem wir stehen.
    Friedliebende Bürger, die auf der Grundlage von Artikel 26 (1) Grundgesetz stehen, werden zugleich von einer erstarkenden Rechten wie von den Vertretern des eigenen Staates angegriffen und mit Demagogie überspült – seit 2014, obgleich alle Umfragen zeigen, dass hinter uns noch zwei Drittel der Bundesbürger stehen. Trotz einer fünfjährigen Propaganda-Schlacht, die man nur noch als goebbelsianisch bezeichnen kann.

    Ich habe seit 2014 derart häufig und gründlich mich zu Wort gemeldet, dass ich endlich von irgendwem eine vernünftige ANTWORT erhalten möchte. Sie haben sich hier mit einem Wortbeitrag zu Wort gemeldet, der nur das propagierte Narrativ wiederholt.

    Sind Sie, ist irgendwer hier bereit ANTWORT zu GEBEN?
    Ich habe nicht nur viele Kinder, Nichten und Neffen, sondern habe als Beruf, junge Leute schulisch auszubilden. Ich will wissen, was für eine Zukunft man ihnen zu bescheren intendiert. Es macht mich nämlich wütend ohne Ende, dass sie alle nur als Kanonenfutter für skrupellose Machtspiele missbraucht werden – zumal viele aus Familien kommen, die bereits Opfer von NATO-Kriegen waren.

    Wie kann es ein normaler Mensch aushalten, für eine derart mörderische Struktur tätig zu sein wie die NATO?

    Antworten Sie? Ich habe nämlich Angst um die jungen Leute, die ich großwerden sie. Und diese konkrete Angst teilen mindestens 30% der deutschen Bürger.

    Wann bekommen wir Antwort, warum man das mit uns anstellt?

    Freundliche, aber drängende Grüße,
    Anja Böttcher