präsentiert von Leo Ensel. Es sind nur vier Sätze des ehemaligen Präsidenten der Sowjetunion und Friedensnobelpreisträgers, des im Sommer 2022 verstorbenen Michail Gorbatschow. Aber sie haben es in sich.
„XXI век станет либо веком тотального обострения смертоносного кризиса, либо же веком морального очищения и духовного выздоровления человечества. Его всестороннего возрождения. Убежден, все мы – все разумные политические силы, все духовные и идейные течения, все конфессии – призваны содействовать этому переходу, победе человечности и справедливости. Тому, чтобы XXI век стал веком возрождения, веком Человека.“
„The 21st century will be either a century of total aggravation of the deadly crisis, or a century of moral purification and spiritual recovery of mankind. Its comprehensive revival. I am convinced that all of us — all reasonable political forces, all spiritual and ideological currents, all faiths — are called upon to promote this transition, the victory of humanity and justice. To ensure that the XXI century becomes the century of rebirth, the century of Man.“
„Das XXI. Jahrhundert wird entweder das Jahrhundert der totalen Verschärfung der tödlichen Krise oder ein Jahrhundert der moralischen Läuterung und spirituellen Erholung der Menschheit sein. Ihre umfassende Wiederbelebung. Ich bin überzeugt, dass wir alle – alle vernünftigen politischen Kräfte, alle spirituellen und ideologischen Bewegungen, alle Konfessionen – aufgerufen sind, diesen Übergang, den Sieg der Menschlichkeit und der Gerechtigkeit zu ermöglichen. Damit das XXI. Jahrhundert ein Jahrhundert der Wiederbelebung, ein Jahrhundert des Menschen wird.“
Diese Sätze hatte Michail Gorbatschow zum Leitgedanken seiner Stiftung gewählt. (Sätze, die sich auch als Maxime einer neuen globalen Friedens- und Umweltbewegung eignen würden.) – Mittlerweile ist bereits ein Viertel des neuen Jahrhunderts verstrichen.
Kurze Frage: Auf welchem Wege befinden wir uns eigentlich jetzt?

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Michail Gorbatschow würde sich im Grab umdrehen und zum Schwert seines Namenspatrons Michail greifen, wenn er sehen könnte, was aus seinem Traum eines Europas von Lissabon bis Wladiwostok und den leeren Versprechungen Helmut Kohls und des Westens geworden ist.
Zu den „aufgeklärten Atheisten“ kann man auch Irina Scherbakowa und Karl Schlögel und deren „Einsichten“ in ihrem wiedergelesenen Buch „Der Russland Reflex“ von 2015 zählen, die trotz oder wegen ihrer Professionalität nicht verstehen können, dass Russland ein christliches Land ist und Deutschland und die Westukraine ein vom Katholizismus verdorbenes antichristliches Land.
Die gegenwärtigen politischen Entwicklungen deuten eher auf „ein 21. Jahrhundert der totalen Verschärfung der tödlichen Krisen hin, als auf ein Jahrhundert der moralischen Läuterung der Menschheit“, wie Michail Gorbatschow gemahnt hatte. Zumal unsere Politiker/innen glauben, „mit gewonnen Schlachten die Zukunft zu gewinnen, statt Frieden zu stiften.“ Das lag aber auch an der Gutgläubigkeit von Michail Gorbatschow, der den Versprechungen Helmut Kohls und des Westens geglaubt hatte, die NATO nicht nach Osten auszudehnen, obwohl das das Ziel der NATO war und ist, wie der erste NATO-Generalsekretär das formuliert hat: „Die Amerikaner in Europa zu halten, die Russen draußen zu halten, und die Deutschen klein zu halten“, und die Deutschen sich diesen Ziele masochistisch angeschlossen hatten. Das hat auch zu dem Stellvertreterkrieg Deutschlands und der NATO gegen Russland in der Ukraine geführt, weshalb Russland in der Ukraine Konflikt nicht nur seine geostategischen Interessen verteidigt, sondern auch „die christliche Russische Welt gegen die antichristliche Welt des Westens.“ Das verstehen die aufgeklärten Atheisten des Westens natürlich nicht, und die Antichristen leugnen das.
In Bezug auf Russland haben sich das vom Katholizismus geprägte Deutschland und Europa bereits „für den Weg in ein Jahrhundert der totalen Verschärfung tödlicher Krisen“ und gegen Michail Gorbatschow und den Frieden entschieden. Von dem einfältigen „Biedermann und Brandstifter“ Bundespräsident Steinmeier bis zu dem verlogenen Bundeskanzler Merz und seinen Minister/innen. Wobei der Verlust jeglicher „Spiritualität“, von Ausnahmen abgesehen, nicht an einem zu geringen IQ liegt, sondern an der jahrhundertealten Austreibung eines Menschenbildes aus Leib, Seele u n d Geist, wie die römische Kirche das betrieben hat. Während die Ostkirche dieses von den griechischen Philosophen geprägte Menschenbild übernommen und beibehalten hat; unabhängig davon, dass beide Kirchen in ihren kultischen Ritualen erstarrt sind.
Als Gast beim Petersburger Dialog 2006 in Dresden und 2007 in Wiesbaden hatte ich die Gelegenheit, Michail Gorbatschow, der damals noch Vorsitzender des russischen Lenkungsausschusses war, als sympathischen Vertreter seines Landes zu erleben. Und am Ende der Veranstaltungen in Wiesbaden habe ich ihm ein Exemplar eines Essays über: „Die Oktoberrevolution – Russlands Weg in die unvollendete Moderne des 20. Jahrhunderts im Kontext kulturhistorischer Probleme der Gegenwart“ übergeben, den ich gerade geschrieben hatte hatte und, den russische Studenten/innen ins Russische übersetzt hatten. Falls er diesen gelesen hat, wir er sich als selbst erklärter Atheist vielleicht über den Satz gewundert haben: „Die Oktoberrevolution hat verhindert, dass Russland nach der Februarrevolution unter Kerenski katholisch wurde, und dadurch nicht nur das russische Christentum gerettet, sondern das Christentum überhaupt.“ Denn Kerenski hatte bereits einen Gesandtschaftsaustausch mit dem Vatikan vereinbart. Die russisch-orthodoxe Kirche hat ihm daher am Ende seines Lebens im amerikanischen Exil auch ein christliches Begräbnis verweigert, und er wurde auf einem konfessionsfreien Friedhof in London beerdigt.