Brauchen wir jetzt Entspannungspolitik? NEIN![von Michael Schütz

Brauchen wir jetzt Entspannungspolitik? NEIN!

[von Michael Schütz]Das ist natürlich bewusst provokant und irreführend formuliert. Der Titel soll schließlich ins Auge springen.
Der Begriff Entspannungspolitik geht von einer bestimmten Systemkonstellation aus, einer im Grunde genommen unversöhnlichen Konkurrenzsituation, die durch entspannende Handlungen entschärft werden soll. So weit so gut.

Was wir in unseren vorangeschrittenen Zeiten allerdings brauchen, ist nicht, in dieser Art Denken zu verharren, sondern unser Denken grundsätzlich zu verändern. Was dabei herauskommt, ist dann letztendlich auch so etwas wie Entspannungspolitik, aber in einem ganz anderen Sinne als noch zu Zeiten des Kalten Krieges.

Die Eurasien-Gesellschaft in Berlin hat anlässlich des ersten Todestages von Michail Gorbatschow eine Gedenkveranstaltung organisiert, bei der viel von diesem Neuen Denken, für das der Name Gorbatschow gestanden ist, die Rede war. Der den russland.News-Lesern bekannte Leo Ensel, der bei der Veranstaltung auch anwesend gewesen ist, sprach zum Beispiel von Neuem Denken 2.0 .

Der Autor skizziert daher hier, wie man sich ein solches Neues Denken vorstellen kann. Der geschätzten Leserschaft wird dabei manches bekannt vorkommen, denn der Autor hat in seinen verschiedenen Artikeln hier an dieser Stelle bereits einiges von diesem Neuen Denken beschrieben.
Aber hier wird nicht nur bereits Angesprochenes zusammengefasst, sondern es wird auch auf neue und wichtige Aspekte hingewiesen.
Wenn wir uns die Frage stellen, wie es denn mit diesem unserem Europa weitergehen könnte – nicht nur mit Russland in Europa, denn eigentlich steht der ganze Kontinent zur Disposition – dann werden wir an einem Neuen Denken kaum vorbeikommen.

Ganz egal, welche Probleme wir in der Zukunft lösen möchten, in den letzten Krisenjahren haben viele von uns verstanden, dass bisherige Herangehensweisen nicht mehr adäquat erscheinen und wir einen grundsätzlichen Politikwechsel und Veränderung im gesellschaftlichen Handeln brauchen.
Es wird daher notwendig sein, unser Denken zu verändern und zu beginnen, realistisch zu denken, anstatt in veralteten Dogmen, Ideologien und Verhaltensweisen zu verharren.

Realistisch denken, bedeutet folgendes:
Ähnlich wie bei den Naturgesetzen macht uns der Kosmos gewisse Vorgaben in unseren Handlungsoptionen und wenn wir uns entlang dieser Vorgaben durch unsere Existenz bewegen, werden wir erfolgreicher agieren können.

Vor kurzem hat der Autor wieder einen seiner Lieblingsfilme gesehen: Eine Liebe in Königsberg, in Auftrag gegeben vom ZDF.
Tatsächlich: vom ZDF!
In diesem Film (Erscheinungsjahr 2006) geht es nach einer wahren Geschichte darum, dass sich ein Bauunternehmer aus Dresden aufgrund des letzten Willens seiner verstorbenen, deutschen Mutter auf eine Reise in die russische Enklave Kaliningrad begibt. Dort erfährt er, dass er in Wirklichkeit einen russischen Vater hat.
Die Geschichte ist im Stile einer Heldenreise erzählt und im Begleittext zum Film heißt es:
„Erstmals entstand für das deutsche Fernsehen ein Film in Königsberg, dem heutigen Kaliningrad: eine Brücke der Versöhnung zwischen Ost und West.“
Angesichts der aktuellen Entwicklungen muss man dazu spitz bemerken: Entweder war diese Brücke schlecht gebaut oder aber die Ingenieure des ZDF haben bei der Errichtung des Bauwerks das gegenüberliegende Ufer verfehlt.

Das deutschsprachige Mainstream-Bewusstsein baut heutzutage bekanntlich keine Brücken mehr, sondern versucht dagegen, den Bürger gegenüber Russland und anderen „Feinden“ in einem Schützengrabendenken festzuhalten. Jeder Versuch dieser Schützengrabenmentalität zu entkommen, wird sofort mit einer Salve aus Kampfvokabeln beschossen – Rechtsoffen, Rechts-Rechts, XXX-Rechts, Putinversteher, Lumpenpazifist, etc., etc..
Solch verbale Munition wird allerdings schnell stumpf und so lässt sich wohl feststellen, dass diese Taktik nicht erfolgreich sein wird – sie wird an der Wirklichkeit zerschellen!

Damit sind wir schon bei einem wichtigen Punkt des Neuen Denkens:
Wir brauchen keine Brücken zu bauen, sie sind nämlich alle schon vorhanden.
Um was es geht, ist, auch tatsächlich drüber zu gehen!
Man könnte auch den Königsberger Bürger Immanuel Kant paraphrasieren: Habe den Mut, über Deine eigenen Brücken zu gehen!

Wie schaut diese angesprochene Wirklichkeit konkret aus?

Erstens:
Unsere Existenz ist in Netzwerken organisiert, die horizontal und vertikal verlaufen. Wir kennen solche Netzwerke zur genüge, denn wir alle haben zum Beispiel ein solches Netzwerk in unserem Kopf.
Menschen, die auf irgendeine Weise in spirituelle Welten eingetaucht sind, nehmen das Leben im Netzwerk als Einheitserfahrung wahr.
Netzwerke scheinen auch eine gewisse Form von Intelligenz auszubilden, sodass zum Beispiel auf bestimmte Entwicklungen reagiert werden kann und ausgleichende, bzw. sinnvolle Entscheidungen getroffen werden können.
Wenn wir diese Netzwerkarchitektur unserer Existenz einmal verstanden haben, werden wir damit die Welt verändern!

Konkret bedeutet das Leben im Netzwerk folgendes:
Wir sind immer Teil des Problems oder Teil der Lösung.

Alles was wir aussenden, kommt auch wieder zu uns zurück, da wir uns nicht aus dem Netzwerk ausklinken können. Der Glaube, dass da irgendwo der irre Böse in seinem Bunker sitzt und auf diverse Rote Knöpfe drückt, wie uns das so gerne vermittelt wird, ist natürlich wirklichkeitsfremd. Der Autor versucht daher, seine Mitmenschen davon zu überzeugen, dass es eine kollektive Verantwortung gibt.

Das Netzwerkdenken hat es durchaus schon ein wenig in unsere Aufmerksamkeit geschafft, denn die Idee der Demokratie oder die Idee der Schwarm-Intelligenz rührt von diesem Netzwerkdenken her. Demokratie meint eben, dass wir Bürger als Souverän die Verantwortung tragen und diese daher auch wahrnehmen sollten.

Netzwerke sind kein Brei oder Matsch, sondern es kommt auf jeden einzelnen Knotenpunkt im Netzwerk an, sowie die Impulse, die von diesen Knotenpunkten ausgehen. Der Mainstream versucht daher, genau diese Netzwerkarchitektur zu unterlaufen, indem er behauptet, es gelte nur das, was eine Handvoll Akteure sagt und alles andere müsse von sog. Faktenprüfern und Experten auf ihre Richtigkeit untersucht werden. Was dabei durchfällt, sei dann bekanntlich Verschwörungstheorie, Putin-Schwurbelei oder etwas ähnliches.

Das Verstehen der Netzwerkarchitektur unserer Existenz bekommt gerade weltpolitisch höchste Relevanz, doch dazu gleich unten mehr.

Zweitens:
Darüber durfte der Autor hier schon einen Aufsatz veröffentlichen: Die Existenz organisiert sich zudem in einem System von Gegensatzpaaren, zum Beispiel gerade höchst aktuell: gut und böse, Frau und Mann oder heiß und kalt.
Die beiden Gegensätze bilden zusammen ein Ganzes und versuchen zueinander ein dynamisches Gleichgewicht zu erreichen. Solche Gegensatzpaare kann man wie Leitplanken verstehen, zwischen denen wir unseren Lebensweg hindurch finden müssen.

Etwas Ähnliches beschreibt auch Hegel, wenn er sagt: „Das Wahre ist das Ganze.
Wer die öffentliche Diskussion mitverfolgt, hat sicher schon bemerkt, dass das Ganze nicht mehr so en vogue ist. Aber Modeerscheinungen sind das eine und Wirklichkeit – also das Konstruktionsprinzip unserer Existenz – ist etwas anderes. Auch eine eingeschränkte Wahrnehmung muss daher scheitern.

Auf dem großen Feld der Gegensatzpaare herrscht derzeit einige Begriffsverwirrung:
Üblicherweise bezeichnet man solche Gegensatzpaare als Polarität.
Auf der weltpolitischen Bühne wird allerdings mit diesem Begriff in geradezu atemberaubender Weise jongliert: Unipolarität, Bipolarität und sogar Multipolarität geistern da durch den Raum.
Das sind natürlich Widersprüche in sich selbst.
Es gibt Polarität und das war es dann auch.
Es gibt Nordpol und Südpol, aber Zwischenpol gibt es leider nicht.
(Da denkt sich jetzt vielleicht mancher: „Interpol gibt es doch“…).

In den letzten zwanzig Jahren haben viele Menschen am eigenen Leib zu spüren bekommen, dass eine unipolare Weltordnung nicht funktioniert und auch gar nicht funktionieren kann, wieso glaubt man jetzt, dass ausgerechnet Multipolarität funktionieren sollte?

Der Punkt ist, dass wir für die sich gerade neu entwickelnde Weltlage eben auch entsprechende Begrifflichkeiten schöpfen sollten. Begriffe prägen das Bewusstsein, sodass sie auch eine Realität gestalten können.
Hier kommt jetzt wieder das Verstehen der Netzwerkarchitektur ins Spiel:
Was sich da gerade im Weltgeschehen in Ausprägung befindet, ist keine Multipolarität.
Tatsächlich beginnt sich langsam aber sicher das Konstruktionsprinzip des Netzwerkes im Zusammenleben der Völker abzuzeichnen.

Auch wenn von Peking über Moskau bis Kapstadt allseits von Multipolarität gesprochen wird, der Autor möchte hier dennoch den Gedanken von einer Vernetzten Weltordnung auf die Reise schicken. In diesem Sinne wird der Aufbruch in eine neue Völkergemeinschaft besser gelingen.

Man muss jetzt kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass der kollektive Westen, so wie er in diesem Moment gerade gestrickt ist, sich mit dem Netzwerkprinzip schwer tut. Dementsprechend werden dem Westen seine Grenzen aufgezeigt und sein Lernvermögen wird einigermaßen strapaziert werden – siehe etwa zuletzt bei den G20.
Auch wenn das Netzwerkdenken im Westen jetzt noch nicht salonfähig ist, auch in der veralteten Welt werden einmal neue politische Führungsschichten zum Zug kommen, die dann einen realistischeren Blick auf die Welt entwickeln können.
Dagegen haben Russland, China, Indien und andere für eine Weltpolitik auf Netzwerkgrundlage schon gewisse Voraussetzungen geschaffen: Auf Augenhöhe, Nicht-Einmischung in innere Angelegenheiten, das Völkerrecht als Basis der Interaktion der Knotenpunkte im Netzwerk usw..

Insbesondere Russland kann bei der Ausbildung der Völkergemeinschaft als Netzwerk eine zentrale Rolle spielen. Sein diplomatisches Know How, sein politisches Geschick und seine kulturellen Möglichkeiten prädestiniert Russland geradezu eine Führungsrolle im Aufbau einer vernetzten Weltordnung zu übernehmen. Diverse Veranstaltungen der letzten Zeit kann man als Hinweis in dies Richtung deuten: Afrikagipfel, diverse Sicherheits- und Wirtschaftsgipfel in Russland, BRICS-Gipfel etc. lassen vermuten, dass Russland für die Ausbildung einer neuen Völkergemeinschaft einen Brennpunkt darstellen wird.
Zudem weist Russland gegenüber den USA und China noch einen Vorteil auf, den man zugespitzt so formulieren kann:
Russland ist zwar eine Großmacht, aber ein einziger Flugzeugträger macht noch kein Imperium. Dadurch erscheint Russland für den globalen Süden glaubwürdiger.

Die große Schlacht, die gerade in Zentraleuropa geschlagen wird, kann auch unter diesem Aspekt gesehen werden: Sie bringt die Ratlosigkeit des Westens zum Ausdruck, wie man darauf reagieren soll, dass Russland womöglich zum Kristallisationspunkt einer neuen Weltordnung werden könnte. Einer Weltordnung in der nicht Multipolarität herrscht, sondern eine geordnete Vielfalt von Knotenpunkten im Netzwerk, in der auf Augenhöhe agiert und kommuniziert wird.

Drittens:
Die Idee von der permanenten Schöpfung.
Diese Idee ist ein wichtiger Maßstab, mit dem wir uns in der Welt zurechtfinden können.
Die übliche Vorstellung, die wir vom Kosmos, bzw. der Schöpfung im spirituellen Sinne haben, ist die:
Da hat es einmal laut geknallt und das war es dann.
Oder aber: Der alte, weiße Mann mit langem Bart bastelt sechs Tage lang an seiner Schöpfung und am siebten Tag war er davon – verständlicherweise – derart er-schöpft, dass er ruhen musste. Und auch das ist es dann gewesen.

Schöpfung ist aber ein immerwährender Gedanke. Schöpfung heißt Schöpfung, weil ihr ein schöpferischer Impuls zugrunde liegt, der nie enden wird, solange das Universum besteht. Die Evolution gibt zum Beispiel davon Ausdruck. Hegel sah das oben zitierte Ganze eben auch als prozesshaftes Phänomen.

Die Bestimmung, der wir Menschen hier auf Erden folgen, liegt unter anderem darin, diesem schöpferischen Impuls Raum zu geben und insofern die Schöpfung weiterzuentwickeln.
Wir haben ein angeborenes Gefühl dafür, wann wir im schöpferischen Sinne handeln und wann nicht. Wir brauchen da keine Faktenprüfer oder sog. Experten dazu:

Können wir andere Menschen in einem positive Sinne inspirieren oder sorgen wir dafür, dass sie in Depression oder Suizid-Anfälligkeit versinken, wie gerade in Folge der gegenwärtigen Krisen?
Schaffen wir Hoffnung und Zuversicht oder verstärken wir Ängste?
Eröffnen wir Menschen neue Räume und Entwicklungsmöglichkeiten oder verschließen wir ihnen diese Räume. Sind Waffenlieferungen in Kriegsgebiete ein Öffnen von Räumen oder haben wir damit den Menschen dort die Räume verschlossen und zwar endgültig und absolut. Ist die Verweigerung von Diplomatie eine konstruktive und schöpferische Idee oder nicht?

Letztendlich geht es da um Wettbewerbsvorteile. Nicht einfach wirtschaftlich, sondern vor allem gesellschaftlich und weltpolitisch. Welches Denk- und Gesellschaftsmodell wird sich als schöpferischer durchsetzen? Man muss schon sagen: der Westen hat da ausgesprochen schlechte Karten.

Viertens:
Alles fließt.
Darüber hat der Autor hier ebenso schon einen Artikel verfasst.
Der schöpferische Impuls als auch die Interaktion in einem Netzwerk sorgen dafür, dass alles im Fluss bleibt. Machteliten sehen es aber nicht gerne fließen, weil ihnen dann die Macht zwischen den Fingern zerrinnt.
In der Weltpolitik ist jetzt aber vieles ins Fließen geraten und wir sind gut beraten, diesen Prozess nicht aufzuhalten, sondern schöpferisch mitzugestalten. Russland ist längst Teil dieses Fließens geworden, während der Westen danebenzustehen scheint.

Im deutschsprachigen Mainstream versucht man diesen Fluss aufzuhalten, bzw. zu ignorieren. Der Mainstream steckt unheimlich viel Energie in etwas hinein, was nicht funktionieren kann. Möglicherweise denkt der Mainstream bei sich, irgendwie haben wir doch den Großteil der Leute hinter uns. Also alles bestens.
Aber das ist ein Denkfehler.
Es ist völlig irrelevant, wie groß die Mehrheit ist, die man hinter sich hat. Es kommt darauf an, wo es fließt. Dieser Ort kann überall sein, auch bei den etablierten Medien oder sogar der Regierung, aber de facto ist er im Westen jetzt gerade bei der außerparlamentarischen Opposition.

Die Dinge geraten unter anderem dadurch in Fluss, dass man Fragen stellt, zuhört, hinterfragt und die Antworten sacken lässt. Alles Fähigkeiten, die in den Gesellschaften des westlichen Mainstream weitgehend verloren gegangen sind. Dafür haben sich im Netz-öffentlichen Raum etliche freie Stimmen gebildet, die diese Kulturtechnik wieder zum Leben erwecken. Diese Stimmen sind für den gesellschaftlichen Entwicklungsprozess längst unverzichtbar geworden und werden für eine schöpferische Neugestaltung Europas, die in den Köpfen der Menschen beginnt, tatsächlich gebraucht werden.
Eines ist dabei klar: ein Europa ohne Russland gibt es nicht!

COMMENTS

WORDPRESS: 5
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    Steffen 8 Monaten

    Das Netzwerk wird angepriesen, aber trotzdem in Schubladen gedacht. Wer Schwarz und Weiß propagiert, Grautöne nicht gelten lässt und Mainstream abspricht, auch ein Netzwerk zu sein, verstrickt sich mindestens in klaren Widersprüchen. „Russland befindet sich auf dem rechten Weg“ und dem Westen werden Vielfalt und Ideenreichtum abgesprochen. Was soll das Ziel sein? Jedem sein Glauben und jedem seine Wahrheit. So wirr ich den Text empfinde, so sehr unterstütze ich den letzten Satz.

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      Michael Schütz 8 Monaten

      Vielen Dank für Ihre Replik auf meinen Artikel. Allerdings denke ich, dass mein Text etwas anderes aussagt, als Sie ihm unterstellen. Ich betone zum Beispiel, deshalb habe ich auch Hegel zitiert, dass es um das GANZE geht. Also nicht um Schubladen, sondern gewissermaßen um den Schubladenkasten.
      Auch schreibe ich dass man dieses Schwarz und Weiß als Leitplanken verstehen kann, zwischen denen wir unseren Lebensweg hindurch finden müssen.
      Dieses „Lebensweg hindurch finden müssen“ ergibt ja dann die von Ihnen geforderten Grautöne.
      Natürlich ist der Mainstream für sich kein Netzwerk, sondern er ist ein kleiner Teil des ganzen Netzwerks. Netzwerkteile die nicht mehr gebraucht werden, können auch stillgelegt werden.
      Auch spreche ich nicht dem Westen Ideenreichtum ab, sondern ich schreibe, dass er („derzeit“ – das Wort fehlt leider) schlechte Karten hat. Angesichts der Aufbruchstimmung, die in manchen Teilen der Welt herrscht, eine berechtigte Warnung, nicht den Zug zu verpassen.
      Nichts desto trotz freut mich der Lichblick, dass wir zumindest beim letzten Satz eine Gemeinsamkeit haben.
      Mit freundlichen Grüßen M. Schütz

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      Horst Beger 8 Monaten

      „Ein Europa ohne Russland gibt es nicht!“ Wenn der Autor diesen Satz unterstützt, ist nicht zu verstehen, dass er den westlichen Mainstream, der alle Anstrengungen unternimmt, Russland aus Europa zu verdrängen, verteidigt.

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        Steffen 8 Monaten

        Ich verteidige ihn nicht. Ich sehe diese Tendenz einfach nicht im – wohlgemerkt – westeuropäischen „mainstream“. Dieser sogenannte mainstream ist sehr vielschichtiger. Daraus resultieren auch sehr viele unterschiedliche Meinungsbilder, die man in diesem Einflussbereich findet. Politikersprech + Tagesschau ist nicht = mainstream. Genauso wie man das russische Volk nicht mit seiner Führung gleichsetzen kann. Darf man das noch sagen? Oder muss es jetzt russländisch heißen…? Das zum Thema Schere im Kopf.

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    Horst Beger 8 Monaten

    Wenn der Autor, der dem „Neuen Denken“ Michail Gorbatschows und dessen Vision eines „Europas von Lissabon bis Wladiwostok“ nachtrauert, am Ende seiner Visionen feststellt, „Ein Europa ohne Russland gibt es nicht!“ gesteht er damit zugleich das Scheitern Europas ein, ein Scheitern, das für beide Seiten nicht ohne eine gewisse Tragik ist. Und „die große Schlacht, die gerade in Europa (gegen Russland) geschlagen wird“, bestätigt dies. Wobei für Russland der Stellvertreterkrieg in der Ukraine „ein Verteidigungskrieg der Russischen Welt gegen den antichristlichen Westen ist“, wie Russland das formuliert. Daran ändert sich auch nichts, wenn der atheistische und materialistische Westen das nicht versteht. Der amerikanische Politologe Samuel Huntington hat diesen Jahrhunderte alten Kulturkampf des westlichen(römischen) Christentums gegen das östliche(russische) Christentum in seinem Buch „Kampf der Kulturen“ von 1996 aufgezeigt, ohne auf den substanziellen Unterschied einzugehen. Und er hat darauf hingewiesen, dass diese „Kulturgrenze“ auch die Ukraine in eine vom russischen Christentum geprägte Ostukraine und eine vom römischen Christentum beeinflusste Westukraine teilt, also ganz aktuell ist. Und die sich daraus „neu entwickelnde Weltlage“ lenkt den Blick weg von Europa nach Asien, weshalb ich diese Entwicklung für Europa und für Russland als eine gewisse Tragik bezeichnet habe.

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