Weißrussland – kein Grund zur Panik – Oder auch: Weißrussland ist nicht die Ukraine

Weißrussland – kein Grund zur Panik – Oder auch: Weißrussland ist nicht die Ukraine

Weißrussland ist nicht die Ukraine und 2020 ist nicht 2014. Was heißt das? Es heißt, dass es keinen Sinn macht, sich von vorschnellen Vergleichen in Panik treiben zu lassen. Weißrussland ist zwar, wie seinerzeit die Ukraine, ein Splitter aus der Explosion der Sowjetunion. Aber die beiden Splitter unterscheiden sich doch erheblich. – Hier ein paar knappe  Striche zu dieser Frage.

Man erinnere sich: Der Eskalation zum Maidan von 2014 gingen die Assoziierungsverhandlungen zwischen der Europäischen Union und der Ukraine voraus, in denen sich Russland und die Europäische Union mit unterschiedlichen Angeboten offensiv  gegenüberstanden.

Man erinnere sich weiter: Die Ukraine war, anders als jetzt Weißrussland, politisch, ethnisch,  sprachlich und historisch in eine zum Westen und eine nach Russland hin orientierte Bevölkerung gespalten. Es war eine aus der Geschichte resultierende  Spaltung, die ihren schärfsten Ausdruck zudem in dem Auseinanderfallen des Landes in den hochindustrialisierten Süd- Osten des Landes und den industriell eher wenig entwickelten oder gar ländlich dominierten westlichen Teil des Landes hatte. Zu der russisch-ukrainischen Spaltung kamen noch weitere regionale  Sprachgruppen und kulturelle Minderheiten. Das alles hat zur Desintegration des Landes geführt.

Man erinnere sich an den USA-Strategen Zbigniew Brzezinski, der seit dem Ende der Sowjetunion in permanenter und penetranter Wiederholung – über drei Bücher hinweg von 1995 bis zu seinem Tode im Mai 2017 dazu aufrief, die Ukraine aus dem Einflussbereich Russlands herauszubrechen, weil nur so verhindert werden könne, dass Russland sich wieder zu einem neuen Imperium entwickeln könnte.[1] Die Förderung des Maidan durch die USA folgte erkennbar dieser Strategie.

Man erinnere sich daran, wie schon vor der Eskalation des Maidan US-amerikanische Politiker und solche aus der EU sich direkt in die Ukrainische Politik einmischten, wie schon vor der Entwicklung des Maidan politische Kräfte, zum Beispiel der vormalige Boxer Vitali Klitschko von der Adenauerstiftung in Deutschland, präventiv für die Übernahme der Macht in der Ukraine ausgebildet und auf der sogenannten Sicherheitskonferenz  in München 2014 präsentiert wurden.

Von all dem kann jetzt nicht die Rede sein.

Weißrussland ist ein mehrheitlich russischsprachiges Land, das in seiner Kultur und Geschichte  untrennbar mit dem russischen Mutterland verbunden ist – nicht zuletzt auch durch den letzten Weltkrieg, in dem gerade Weißrussland die ersten Stöße der faschistischen Wehrmacht auffangen  musste. Zudem ist das Land trotz aller Versuche Alexander Lukaschenkos, sich in einer Schaukelpolitik zwischen Russland und EU unabhängig zu halten, wirtschaftlich mit Russland untrennbar verbunden. Es ist abhängig vom russischen Öl, es produziert für den russischen Markt. Einen Assoziierungsversuch der EU, vergleichbar dem gegenüber der Ukraine, gibt es nicht.

Lukaschenko ist zudem, anders als seinerzeit Viktor Janukowitsch in der Ukraine, nicht einer von vielen Oligarchen, die in beständigem Machtkampf die Pluralität , besser gesagt, das Chaos des Landes repräsentierten, er ist der  seit 1994 amtierende Garant dafür, dass in Weißrussland im Unterschied zum gesamten Nachfolgegebiet der Sowjetunion bisher keine Oligarchisierung des Volksvermögens stattfinden konnte.  Das hat ihm das Vertrauen der großen Mehrheit des Landes eingebracht.  Ihn gewaltsam zu stürzen würde bedeuten, das Tor für eine unkontrollierbare nachholende Privatisierung zu öffnen.  Was das bedeutet, ist in Erinnerung an die Zustände der russischen Privatisierung nach 1991 an fünf Fingern auszählbar: Das hieße Chaos und Zerfall der zur Zeit herrschenden sozialen Ordnung, die bei allen Einschränkungen relative Stabilität trug – Ende nicht zuletzt der Stabilität eines politischen Puffers zwischen der EU und Russland.

Ein solches Chaos , noch klarer gesprochen, die Auflösung dieses Puffers kann zur Zeit, das heißt in der Zeit der größten Krise der letzten Jahrzehnte,  weder im russischen noch im Interesse der Europäischen Union liegen. In Russlands Interesse liegt eher die engere ökonomische Anbindung – aber keineswegs das Verlangen, das durch eine solche Entwicklung entstehende Chaos auffangen zu müssen. Die Europäische Union hat unter dem Druck der „Corona-Krise“ alles andere zu tun als sich eine weitere, bisher aus guten Gründen nicht betriebene Ost-Erweiterung einzuhandeln.  Dahin wird sich die EU auch durch polnische, litauische und ukrainische Wünsche  nicht treiben lassen wollen.  Zu mehr als zu Sanktionen gegenüber Lukaschenko wird es die EU zur Zeit nicht bringen.

Wie lange Lukaschenko unter diesen Umständen nach der schamlosen Wahlfälschung Präsident bleiben kann, ist eine andere Frage.

Kai Ehlers, www.kai-ehlers.de

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Zbigniew_Brzezi%C5%84ski

COMMENTS

WORDPRESS: 7
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    Horst Beger 3 Monaten

    Weißrussland ist nicht die Ukraine, aber wenn die NATO-EU geschlossen die Wahl von Lukaschenko ablehnt und Sanktionen fordert, so zeigt dies, dass es dabei einerseits um geostrategische Schachspiele geht und andererseits um den „jahrhunderte alten Kulturkampf des westlichen(römischen) Christentums gegen das östliche(russische) Christentum“, wie der amerikanische Politologe das in seinem „Kampf der Kulturen“ aufgezeigt hat. Und er hat darauf hingewiesen hat, dass diese „Kulturgrenze“ nicht nur die Ukraine sondern auch Weißrussland teilt, auch wenn das innenpolitisch noch nicht so deutlich ist wie in der Ukraine.

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    Jan 3 Monaten

    Herr Ehlers,

    warum leiten Sie Ihren Artikel bis zur Haelfte mit nicht relevanten Informationen zur Situation in Belarus ein?

    Der Vergleich mit der Ukraine ist unsinnig. Belarus ist nicht ethnisch gespalten.
    Der rel. gleichverteilte Anteil an orthodoxen und katholischen Glaeubigen ist im Alltag ohne Bedeutung. Man akzeptiert sich vollkommen.

    Die Verbundenheit Weissrusslands zu Russland bedarf auch einiger Erklaerungen.
    Untrennbare Verbundenheit? Ekatarina verfuegte 1791, dass Juden nicht im russischen Kernland siedeln duerfen. In der Folge waren die weissrussischen Staedte ueberwiegend von Juden und Grossrussen bewohnt (Waljanzin Akudowitsch
    ISBN 978-3-518-12665-3).

    Wenn Sie den II. WK anfuehren, dann erwaehnen Sie bitte auch, dass das weissrussische Volk beim Vormarsch der Roten Armee bitter leiden musste, obwohl deren Soehne mehrheitlich in dieser dienten bzw. dienen mussten. Ob in der „Weißruthenische Nr. 1“ oder der 38. SS-Grenadier-Division „Nibelungen“ – diese Freiwilligen gab es eben nicht deshalb, weil sich die Weissrussen mit Russland verbunden fuehlten. Mich als Deutschen macht es immer sprachlos, wenn ich hoere, dass „Ihre“ schlimmer aus „Unsere“ waren – alles aus Sicht der Weissrussen.

    Von welchem gewaltsamen Umsturz phantasieren Sie?

    Ich bin oft in diesem Land, in dem man am Telefon auf seine Wortwahl achten muss und sich auch auf der Arbeit nicht politisch aeussern sollte.
    Ihnen ist sicher nicht entgangen – so hoffe ich – dass es bei Protesten nicht um Zuwendung zu einem der existierenden Bloecke geht.

    Weder im Wahlkampf vor der Wahl noch aktuell geht es um eine Zuwendung zu irgendeinem Block.

    Als Jourunalist werde ich Sie nicht mehr ernstnehmen. Es sollte Ihnen ein journalistisches Anliegen sein, fuer freie Meinungsaeusserungen einzustehen und Gewalt gegen Andersdenkende zu verurteilen.

    Es sitzen noch immer tausende Weissrussen in Haft, darunter auch Menschen, die sich am Protest nicht beteiligten.

    Ihr Beitrag haelt keinen journalistischen Standards statt. Link zur eigenen Website oder zu Wikipedia?

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      Walter Finger 3 Monaten

      @Jahn…Interessant wie sie das sehen….sie gehen aber bestimmt nicht davon aus, das man Journalisten in diesem unserem Land Deutschland noch ernst nehmen soll oder darf…wenigstens solange sie im Sold der MSM sind…und das ausnahmslos…

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    Wolfgang Werner 3 Monaten

    Der Beitrag bezeichnet Viktor Janukowitsch als Oligarchen. Das trifft bestimmt nicht zu, denn er ist ein typischer Berufspolitiker und darin Alexander Lukaschenko ähnlich. Auch in der Schaukel-Politik zwischen Ost und West haben sich die beiden versucht und die ist das Vergleichbare in der Situation damals in der Ukraine und heute in Belarus.

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    Klatt,Hans 3 Monaten

    Ich kann Herrn Kai Ehlert nur unterstüzen mit seiner Aussage. Die Darstellung ist genau auf dem Punkt gebracht. Der größte Agressor ist nunmal die USA, die alles versuchen, dass die Russische Föderation eingeengt wird.
    ich selbst habe in der RF über 25 Jahre gearbeitet in führender Position und habe auch in dieser Zeit viele namhafte Leute kennengelernt.
    Die RF hat Zukunft ,ob man es glauben will oder nicht.
    Schauen sie sich doch Amerika mal näher an. Die Energieversorgung in allen Städten ist mangelhaft, denn man sieht nur die “ Schokoladenseite der USA“.
    Der Präsident kümmert sich momentan um die “ Briefwahl“ statt sich um das Volk zu kümmern!!!
    Unsere EU Vertreter haben zum größten Teil auch eine “ Sonnenbrille“, denn wir in Europa müssen zusammenhalten, ob OST, WEST, SÜD oder NORD“. Das ist die Zukunft für die nächste Generation.
    Danke!!! Ich musste dies einmal loswerden.

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    Manfred Wich-Knoten 3 Monaten

    die reise von am pompeo z.z. durch verschiedene länder in europa zeigt den charakter der usa auf und zeigt den thyrannischen hintergrund seiner gedanken. wie verblendet muss man sein, diesen kriegstreiber wasser auf dessen mühle zu geben und nach dem westen zu rufen. allein der gedanke, wo corona herkommt und wer es um die welt verteilt, sollte sich bei seinen handlungen darüber gedanken machen. wenn man an chemielabore in georgien, ukraine, polen, israel usw. denkt und deren betreiber kennt, geht kein vernünftiger mensch gegen lukaschenko auf die strasse, ausserdem gibt es im rahmen der auflösung der su eine vertragsbeziehung der gegenseitigen hilfe. wir als russlandurlauber sind sehr froh, in ein land reisen zu können wo noch ordnung herrscht und die erhaltung des friedens oberstes gebot ist!!

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    Horst Beger 3 Monaten

    Sicher sind die Verhältnisse in Weißrussland nicht mit denen in der Ukraine vergleichbar, aber die Politiker und die davon abhängigen Leitmedien in Deutschland, der EU und den USA wittern schon Morgenluft und fordern Sanktionen. Und wenn ausgerechnet Polen, das sich seit jeher von Rom gegen Russland hat instrumentalisieren lassen, sich als Vermittler anbietet, ist das mehr als scheinheilig.

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